Android Wear: Warum Googles Smartwatch-Konzept zukunftsweisend ist

25. März 2014, 11:19
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Google Now als Motor, Kontext als Killer-App - doch die Bedarfsfrage bleibt offen

Vor kurzem hat IT-Riese Google mit Android Wear sein Software-Grundgerüst für Smartwatches vorgestellt. LG und Motorola kündigten dazu neue Produkte an, besonders Motorolas Moto 360, die für Google auch als Vorzeigegerät dient, fand viel positives Echo.

Auf dem jungen Markt tummeln sich immer mehr Teilnehmer, doch ein bahnbrechendes Produkt hat noch keiner vorgelegt. Weder die Uhren von Sony und Pebble, die schon etwas länger Smartwatches bauen, noch neuere Geräte haben sich bislang als echtes "Must-have" etabliert. Doch mit dem, was Android Wear verspricht, könnte sich das ändern, meint Kyle Vanhemert bei Wired.

Kontext

Ein Eckpfeiler dafür ist Kontext. Mit Google Now lässt das Unternehmen ein mächtiges Werkzeug im Hintergrund ackern, welches dem Nutzer ohne Aufforderung wichtige Informationen zur passenden Zeit anzeigen soll. Etwa die nächsten Haltestellen auf einer Busfahrt, wann wo und mit wem das nächste Meeting ist und wie man dort hinkommt etwa. Oder welches Lied aus den Lautsprechern eines Lokals erschallt, während man gerade dazu tanzt.

Das sind relativ offensichtliche Gelegenheiten, an welchen eine Smartwatch das Leben erleichtern könnte, doch es gibt auch mehr. Die Kombination aus den Daten, die das System aus E-Mails, Kontakten, Kalender und Co erhält, bietet noch viel weitreichendere Möglichkeiten, kontextbasierte Informationen zu liefern. Und Google ist eine der wenigen Unternehmen, welche über die Technologie und Ressourcen verfügt, so etwas umzusetzen, erklärt dazu Designexperte Nick de la Mare von der Beratungsfirma Big Tomorrow.

Wertvoller Platz

Diese zu nutzen ist auch wichtig, weil der Bildschirm einer Uhr klein ist und die Relevanz der angezeigten Informationen damit umso mehr zählt. Während die von Google Now am Smartphone gelieferten Bröckchen in die relativ üppige Benachrichtigungsleiste geschaufelt werden, erscheinen sie am Handgelenk displayfüllend und müssen einen schnellen Zugang zu vertiefenden Informationen bieten.

Was am Handy einfach nur eine Google-Now-Karte ist, funktioniert auf der Uhr bereits wie eine App. Damit wird gleichzeitig auch übersichtliches Interface-Design und eine klare Symbolsprache, wie sie Wear bietet, sehr wichtig.

Offenheit

Ein anderer Aspekt des Android-Systems für das Handgelenk ist Offenheit. Die Schnittstellen von Wear erlauben es dem Nutzer festzulegen, welche App für welche Tätigkeit zuständig ist. Weist man Google Now per Sprachkommando an, ein Taxi zu rufen, ist es am Nutzer zu entscheiden, ob dieser Befehl künftig etwa von Uber oder einem anderen Dienst ausgeführt wird.

In diesem Punkt unterscheiden sich Android und Google Now stark von iOS und Siri, wo die Auswahl der "richtigen" Programme vorab von Apple erfolgt

Bedarf und soziale Akzeptanz

Zwei Hürden muss aber auch Google nehmen, um mit Android Wear erfolgreich zu sein. Einerseits muss der Konzern das Potenzial von Smartwatches jenseits von Fitness und Kalendererinnerungen aufzeigen, andererseits gilt es auch an der sozialen Akzeptanz von Smartwatches generell zu arbeiten.

Vanhemert erinnert daran, dass Wear in einem Umfeld entwickelt wurde, in dem es ebenso normal ist, mit seiner Uhr oder seiner smarten Brille zu sprechen, wie mit der Person am Nebenplatz. Mit dem Alltag der meisten Menschen hat dies jedoch kaum etwas zu tun, weswegen die Gratwanderung zwischen der Bedienung per Touchscreen und Sprachkommandos für Google und die Hardwarehersteller von hoher Bedeutung ist.

Während die Vorteile von Smartphones sehr schnell vielen Entwicklern und Nutzern einleuchteten, könnte es mehr Experimentierfreudigkeit benötigen, den tatsächlichen Wert von Smartwatches zu ergründen. Nach allem, was Wear bis jetzt verspricht, hat das Unternehmen gemeinsam mit seinen Partnern jedoch alle Chancen dazu. (red, derStandard.at, 25.03.2014)

  • Android Wear hat das Potenzial, Smartwatches zum großen Durchbruch zu verhelfen.
    foto: google/motorola

    Android Wear hat das Potenzial, Smartwatches zum großen Durchbruch zu verhelfen.

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