Prozess wegen fahrlässiger Tötung: Geldstrafe für Tiroler Ärztin

25. März 2014, 19:06
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Turnusärzte freigesprochen - Urteil nicht rechtskräftig

Mit einem Schuldspruch und zwei Freisprüchen hat der Prozess gegen drei Tiroler Ärzte wegen fahrlässiger Tötung am Dienstagabend am Landesgericht Innsbruck geendet. Eine Oberärztin wurde zu einer Geldstrafe in der Höhe von 9.600 Euro, die Hälfte davon bedingt, verurteilt. Die Turnusärzte wurden von Richterin Verena Offer freigesprochen. Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig.

Den Medizinern im Alter von 31 bis 39 Jahren wurde vorgeworfen, einem 76-jährigen Patienten eine Medikamentenüberdosis verabreicht zu haben. Der Mann war im Februar des vergangen Jahres wegen einer Harnwegsinfektion im Krankenhaus Kufstein aufgenommen worden. Aufgrund eines Übertragungsfehlers bei der Medikamentenliste wurden dem Patienten anstatt einmal wöchentlich, einmal täglich zehn Milligramm des Medikaments Ebetrexat verabreicht.

Die Oberärztin hatte einen kausalen Zusammenhang zwischen dem falsch verabreichten Medikament Ebetrexat und den Tod des Patienten in Zweifel gezogen, weil der Wirkstoff des Medikaments im Blut des Patienten nicht nachgewiesen werden konnte. Dies sei bei Ebetrexat jedoch vollkommen normal, erklärte Gutachter und Pharmakologe Hans-Günther Knaus vor Gericht. "Der Wirkstoff Methotrexat hat eine Halbwertszeit von lediglich drei Stunden, danach lagert er sich im Knochenmark an und ist im Blut nicht mehr nachweisbar", sagte Knaus.

Fehlverordnungen

Wegen der ungewöhnlichen Dosierung des Medikaments, nämlich einmal wöchentlich, käme es öfter zu Fehlverordnungen, meinte der Gutachter. Der gegenwärtige Fall sei typisch für eine Methotrexat-Intoxikation. Man könne davon ausgehen, dass die Überdosierung des Medikaments schuld an der Sepsis und schließlich auch am Tod des Mannes war, fügte der Pharmakologe hinzu.

Die Überdosierung war ursprünglich bereits bei der Erstaufnahme von der Turnusärztin falsch auf die Patientenakte übertragen worden. Auch der Fachärztin war im Rahmen der täglichen Visite die Überdosierung nicht aufgefallen, weshalb sie täglich die Verabreichung des Medikaments während des Krankenhausaufenthalts des Patienten unterzeichnete. Der drittangeklagte Turnusarzt habe schließlich die tägliche Einnahme des Medikaments in dem "Kurzarztbrief", der dem Patienten bei dessen Entlassung in ein Pflegeheim mitgegeben wurde, vermerkt.

"Das war sicherlich einer Verkettung unglücklicher Umstände", bemerkte die Richterin. Trotzdem hätte die Oberärztin die falsche Dosierung des Medikaments erkennen müssen. Den beiden Turnusärzten hingegen könne man das Unwissen über das Medikament und dessen richtige Dosierung nicht vorwerfen, begründete Offer das Urteil. (APA, 25.3.2014)

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