MH370: Chinesische Proteste gegen Malaysia

25. März 2014, 12:06
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Suche nach Wrackteilen wegen Sturm unterbrochen - Skepsis, weil noch keine Teile gefunden wurden

Sydney / Kuala Lumpur / Peking - Die seit dem 8. März vermisste Malaysia-Airlines-Maschine ist nach Überzeugung der malaysischen Ermittler zwischen 1.11 Uhr MEZ und 2.15 MEZ im Indischen Ozean abgestürzt. Das geht nach Angaben des malaysischen Verkehrsministers Hishammuddin Hussein von Dienstag aus der neuen Analyse von Satellitendaten hervor.

Der Flug endete demnach zwischen siebeneinhalb und achteinhalb Stunden nach dem Start, der in Kuala Lumpur erfolgt war. Genau so lange habe auch der Treibstoff an Bord gereicht, sagte der Minister.

Suche unterbrochen

Wegen des schlechten Wetters wurde indes die Suche nach Wrackteilen im Indischen Ozean unterbrochen. Die Wellen seien bis zu vier Meter hoch, Sturmböen und heftiger Regen im Anmarsch, und die Wolken hingen teils nur 60 Meter über der Wasseroberfläche, teilte die australische Seesicherheitsbehörde (Amsa) mit. Das Versorgungsschiff HMAS Success musste die Region verlassen. Es habe die vom Flugzeug aus gesichteten möglichen Wrackteile noch nicht lokalisieren können. Auch die Suchflugzeuge würden zunächst nicht starten.

Protest der Angehörigen

In China, woher der Großteil der Menschen an Bord stammte, stößt derweil sowohl die komplizierte Analyse der Satellitendaten als auch die Informationspolitik der malaysischen Regierung auf Proteste. Experten sehen noch keinen schlüssigen Beweis für den Absturz, zumal keine Wrackteile gefunden worden sind. Außerdem fühlt sich Chinas Regierung offenbar auch überrumpelt durch die rasche Verkündung der tragischen Schlussfolgerungen Malaysias.

In einem Protestzug durch Peking haben hunderte Angehörige der Passagiere von Flug MH370 sowie Unterstützer ihrem Unmut gegen die malaysische Regierung und die Fluggesellschaft Luft gemacht. Mit Transparenten durchbrachen sie am Dienstag eine Polizeiabsperrung vor der malaysischen Botschaft. "Wir wollen die Wahrheit", lautete der Schriftzug eines Transparents. Einige wütende Demonstranten richteten ihren Ärger gegen Malaysia und gaben den Behörden sogar eine Mitschuld: "Mörder" stand auf einem Plakat.

Einer der Demonstranten sagte, die Behörden seien über den Protest informiert gewesen. Demonstrationen auf Pekings Straßen sind ein seltenes Bild. Normalerweise werden sie von den Sicherheitskräften unterbunden. Diesmal sicherte die Polizei die Kundgebung jedoch ab und stoppte an Kreuzungen den Verkehr. Die Demonstranten wurden anschließend in Bussen zurück zu den Hotels gefahren, in denen sie die vergangenen zwei Wochen über ausgeharrt hatten, wie chinesische Staatsmedien berichteten.

Stellungnahme

In einer Erklärung fassten einige der Angehörigen ihre Vorwürfe zusammen: "Malaysia Airlines, die malaysische Regierung und das malaysische Militär haben mit Nachdruck und wiederholt versucht, die Wahrheit zu verstecken und zu vertuschen. Sie wollten die Angehörigen und die ganze Welt belügen." Die Verantwortlichen hätten keine Scham, hieß es weiter in der Stellungnahme. Die Gesundheit und die Seelen der Angehörigen seien mutwillig zerstört worden. "Die Rettungsaktion wurde in die Irre geführt und verzögert." Wertvolle Zeit sei verschenkt worden. "Wenn unsere 154 Familienmitglieder an Bord deshalb ihr Leben verloren haben, dann sind die malaysische Fluggesellschaft, Regierung und das Militär die wahren Mörder unserer Familienmitglieder."

Sondergesandte nach Malaysia

Chinas Präsident Xi Jinping hat einen Sondergesandten nach Malaysia geschickt. Vizeaußenminister Zhang Yesui soll sich in die Bemühungen nach dem Verschwinden des Flugzeugs der Malaysia Airlines einschalten, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag berichtete.

Der Einsatz des erfahrenen und ranghohen Spitzendiplomaten erfolgt vor dem Hintergrund erkennbarer Spannungen zwischen beiden Ländern bezüglich der Informationspolitik Malaysias, dessen Suche nach dem Flugzeug und des Umgangs mit den Angehörigen. Chinas Außenministerium hat Malaysia um "alle Informationen und Beweise" gebeten, die zu der Schlussfolgerung über den Absturz von Flug MH370 im südlichen Indischen Ozean geführt haben. Ein Großteil der 239 Insassen der Boeing 777-200 der Malaysia Airlines waren Chinesen.

Am Montag hatte die Airline offiziell die Hoffnung auf eine Rettung der Passagiere aufgegeben. Laut neuer Analysedaten sei das letzte Signal über dem südlichen Indischen Ozean empfangen worden. Niemand könne überlebt haben, teilte die Fluggesellschaft mit. Die Angehörigen werden in Peking von Ärzten und Freiwilligen betreut. Die Psychiaterin Li Xianyun warnte vor extremen Reaktionen seitens der Familien der Insassen. (APA, 25.3.2014)

  • Angehörige der Passagiere gingen in Peking auf die Straße.
    foto: reuters/kim kyung-hoon

    Angehörige der Passagiere gingen in Peking auf die Straße.

  • Die Suche nach Wrackteilen gestaltet sich weiter schwierig.
    foto: reuters

    Die Suche nach Wrackteilen gestaltet sich weiter schwierig.

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