Österreicher stark in Russland engagiert

24. März 2014, 18:03
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Mit 8,6 Milliarden Euro sind Banken, Bau, Industrie und Energie investiert

Wien - Der Wirtschaftsforscher Christian Keuschnigg (IHS) hält Sanktionen gegen Russland im Konflikt um die Krim für ökonomisch teuer. Russland sei zu wichtig, als dass man sich einen Handelskonflikt leisten könnte, sagte Keuschnigg jüngst zur APA. Expansionspläne könnten aber abgebremst werden. Österreicher sind mit 8,6 Mrd. Euro in Russland investiert, die Banken haben doppelt so viele Kredite dort.

Sollte der Westen bei einer weiteren Eskalation Wirtschaftssanktionen verhängen, könnten die auch österreichische Unternehmen massiv treffen. Russland gehört zu den wichtigsten Handelspartnern der Österreicher. Ein Überblick über die Russland-Geschäfte einiger großer österreichischer Unternehmen:

Banken und Versicherungen

UniCredit Bank Austria: Die russische Tochter ist die achtgrößte Bank des Landes. Sie hat Kredite von über 12 Mrd. Euro vergeben und bekam von dort zuletzt rund ein Viertel des Betriebsergebnisses.

Raiffeisen Bank International: Die Russland-Tochter der RBI ist zehntgrößte Bank des Landes. In Russland hatte die Bank zuletzt mehr als 10 Mrd. Euro an Krediten vergeben und machte dort gut ein Viertel ihres Betriebsergebnisses.

Uniqa Versicherungsgruppe: Der Konzern erzielte in Russland zuletzt weniger als ein Prozent seiner Prämien.

Öl- und Gasgeschäft

OMV: Im Gasgeschäft ist die OMV besonders abhängig von Russland. Die Tochter EconGas, an der die OMV 50 Prozent hält, bezieht einen großen Teil von der russischen Gazprom. Der Preis dafür war lange Zeit an den hohen Ölpreis gekoppelt, während sich die Verkaufspreise an den fallenden europäischen Marktpreisen orientiert hatten. EconGas verbuchte daher hohe Verluste. Erst ein Ende vergangenen Jahres ausgehandelter neuer Vertrag ermöglichte der Firma, das Gas günstiger einzukaufen. Diese günstigeren Konditionen gelten jedoch nur bis Ende März. Für die Zeit danach verhandelt die OMV einen neuen Vertrag.

Der von der OMV betriebene Gasknotenpunkt in Baumgarten ist eine der größten Drehscheiben für russisches Gas. Rund ein Drittel des gesamten russischen Exports nach Westeuropa läuft über diese Gasstation und von hier nach Ungarn, Italien, Kroatien, Slowenien, Deutschland und Frankreich.

Schoeller-Bleckmann: SBO produziert Bohrköpfe und Bohrgestänge für die Suche nach Öl und Gas und hat eine eigene Niederlassung in Russland. Darüber hinaus verkauft das Unternehmen seine Produkte an viele internationale Kunden, die dann auf russischem Territorium nach Öl und Gas suchen.

Catoil: Die unter anderem auf Schiefergasbohrungen spezialisierte Ölbohrfirma ist in Russland in Westsibirien, am Kaspischen Meer und in der Wolga-Ural-Region aktiv.

Immobilien

Immofinanz: Nach der Abspaltung der Wohnimmobilientochter Buwog steigt Russland nun zum wichtigsten Einzelmarkt auf. Die Einkaufszentren, die der Konzern dort besitzt, machen dann mehr als ein Viertel des Portfolios aus. Die Immofinanz hat ihre Investoren vor möglichen Geschäftseinbußen gewarnt, sollte die Schwäche der russischen Währung Rubel anhalten.

CA Immo: Das Unternehmen hält in Russland 35 Prozent an einem Hotel- und Bürokomplex am Flughafen in St Petersburg. Es bestehen aber auf Sicht Verkaufsabsichten.

Stahl

Voestalpine: Der Stahlkonzern hat zu Jahresbeginn einen Auftrag zur Lieferung von Blech für die russische Gas-Pipeline South Stream erhalten. Ob sie auch bei einer länger andauernden Krise gebaut wird, ist unklar. Die Voest geht dennoch davon aus, den Auftrag wie geplant bis zum Sommer abzuschließen.

Industrie

RHI: Der Industriekonzern, der feuerfeste Produkte für die Stahl-, Glas- und Zementindustrie herstellt, machte in Russland zuletzt 3 Prozent seiner Erlöse.

Andritz: Der Maschinenbauer erwirtschaftet 3 bis 4 Prozent seines Gesamtumsatzes in Russland.

Mayr-Melnhof: Das Verpackungsunternehmen macht knapp 10 Prozent seines Umsatzes mit Russland. Die Firma hat einen eigenen Standort in St. Petersburg.

Bau

Strabag: Bisher erwirtschaftet der Baukonzern trotz anfänglich großer Euphorie in Russland weniger als 5 Prozent der Bauleistung. Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem russischen Großaktionär Oleg Deripaska hat das Unternehmen auf Eis gelegt - allerdings unabhängig von der Krim-Krise.

Verkehr und Tourismus

Flughafen Wien, AUA, Hotellerie: Der Flughafen profitiert - wie die Airlines und die österreichische Tourismuswirtschaft (Hotellerie) - von der wachsenden Zahl russischer Gäste. (APA/Reuters, 24.3.2014)

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