Kopffüßer im Riesengebirge

24. März 2014, 17:27
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Drei Jahre lang zeigt das Museum Gugging die Hauptwerke heimischer Art brut

Maria Gugging - Wie senkrecht spazierende Regenwürmer, wie streng frisierte Schädel auf langen Spinnenbeinen - so kennt man Oswald Tschirtners weltberühmte "Kopffüßer". Als geschlechts- und schmucklose, auf den Kopf, also den Geist reduzierte Wesen stellte der Gugginger Künstler den Menschen dar.

Diese radikale Reduktion auf das Wesentliche wendete Tschirtner (1920-2007), der der Art brut zugerechnet wird, jedoch auch auf die Landschaften an. Diese nahezu unbekannte Seite zeigen in der Ausstellung Gugging Meisterwerke! nun drei - sogar kolorierte! - wundervolle Tuschzeichnungen (Sammlung Helmut Zambo) Tschirtners: Zwei Bögen charakterisieren das die Wasserleitung tragende Aquädukt, ein geschlossenes blaues Oval den Neusiedler See, eine abgeschnittene Kurve ein Riesengebirge, das so groß ist, dass es gar nicht komplett auf ein Stück Papier passt.

Was die Vermittlung der Art brut, der nach Jean Dubuffet "rohen", also unverfälschten, weil akademisch unverschulten Kunst angeht, galt es seit der Gründung des Museums 2006 viel nachzuholen. Daher verzichtete man auf eine permanente Ausstellung, um die Gugginger und ihre europäischen Kollegen vorzustellen oder Wechselwirkungen mit anderen Kunstströmungen zu verdeutlichen. Nun jedoch war es an der Zeit für eine Dauerausstellung der Gugginger Hauptwerke: 101 sogenannte "Mona Lisas" umfasst die Schau - von den alten Stars im "Haus der Künstler" Tschirtner, Johann Hauser und August Walla bis zu heutigen Lokalmatadoren wie August Garber, der einen ganzen Raum dem Horror Vacui verpflichtet hat: ein sexualisiertes Dickicht aus fliegenden Schwänzen, Giraffen, und Häusern.

Besonders reizend: die Bildabenteuer Karl Vondas, der serielle Kuh-Warholizer Franz Kamlander und Fahrzeugerfinder Franz Kernbeis. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 25.3.2014)

Bis 26. 3. 2017

  • Oswald Tschirtners Landschaften sind nahezu unbekannt: 1971 entstanden "Wasserleitung" und "Der Neusiedler See".
    foto: sammlung zambo

    Oswald Tschirtners Landschaften sind nahezu unbekannt: 1971 entstanden "Wasserleitung" und "Der Neusiedler See".

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