Die Kalauerkaskade

24. März 2014, 17:33
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In jedem Fall komisch: Ferry Öllinger ist als Gerhard Haderers Comicfigur "Der Herr Novak" am Theater Phönix zu sehen

Linz - In den Moff-Heften ist Herr Novak eine Kultfigur. Er verkörpert ein Beamtenklischee, das ungefragt kleinmütige Kommentare zu Politik und Gesellschaft abgibt. "Liebevoll" ist Novak dabei nie. Auch wenn Gerhard Haderer ihm wie seinen Moff-Kollegen Dialektsprachschätze in den Mund legt; er bleibt in seiner Normalität nichts anderes als bedrohlich.

Nun steht Novak auf der Bühne: Ferry Öllinger verkörpert diese "Stellvertreter-Figur", entleert sich öffentlich in Vertretung und zum Gaudium all jener, die das lieber unbeobachtet tun. Denn - so der vielgehätschelte Trugschluss - über den ich lache, des' Ressentiments ich nicht teile. Falsch gedacht, viel gelacht. So jedenfalls erklärt sich manch eruptiver Brüller im Publikum, mit dem Witze über Waldheim oder Strache quittiert werden.

Gerhard Haderer selbst hat die Theaterfassung nach seinem Buch Der Herr Novak entwickelt, Haderer ist auch für Regie und Bühnenbild verantwortlich. Möglicherweise resultiert aus diesem solitären Anspruch, dass das Stück Dramaturgie vermissen lässt und eine Aneinanderreihung von Szenen und Monologe bleibt, wie man sie aus den Comicheften kennt. Novak sitzt - zwar nicht im Amt, sondern im Kaffeehaus - und erinnert sich, unterstützt von Haderer-Zeichnungen, an Aufreger der vergangenen Jahrzehnte: Karl Schranz und Sapporo als Inbegriff von Demütigung der österreichischen Seele, "Onkel Kurt" und Arigona Zogaj. Grasser wird ob seiner Haare für Fiona Swarovski gehalten, der Kellnerin gibt Novak den Rat, Deutsch zu lernen: Es sind nicht unbedingt die aktuellsten Spitzen, die Haderer mit Novak abfeuert.

Öllinger hat unbestritten große Momente in dieser Kalauerkaskade: Wunderbar komisch und entlarvend etwa gibt er Fendrichs identitätsheischendes I am from Austria samt Luftgitarre und Schnulzenblick. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 25.3.2014)

  • Denkt an Österreich - der Herr Novak.
    foto: christian herzenberger

    Denkt an Österreich - der Herr Novak.

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