"Mit 20 war ich Mama von vier Kindern"

24. März 2014, 15:01
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Daniela M. will ihrem Traumberuf Kindergärtnerin ein Stück näher kommen - Sie lebt mit ihrem ältesten Sohn in einem Mutter-Kind-Heim in Wien

"Zwei Jahre Feinkost waren genug", erzählt Daniela M., "ich hab' nicht mehr können, ich habe in der Woche 42 Stunden gearbeitet und trotzdem ist mir am Ende nicht genug geblieben - vor allem wegen dem Unterhalt". M. zahlt nämlich Unterhalt für drei ihrer vier Kinder, die drei jüngeren leben seit fünf Jahren bei ihrem Ex-Freund, dem Vater dieser drei, und dessen Freundin. Das ist in Österreich ungewöhnlich. Warum sie beim Vater leben, darüber will Frau M. nicht so gerne reden. Sie hätte die Kinder lieber bei sich, "aber es gibt Streitigkeiten".

Ein Besuchsrecht hat M. zwar, aber sie hat die Kinder im Alter von neun, sieben und sechs Jahren seit zwei Jahren nicht mehr gesehen, telefoniert habe sie mit ihnen zuletzt im Jänner, als das jüngste Geburtstag hatte. Daniela M. wirkt traurig, als sie das erzählt und aus dem Fenster eines Mutter-Kind-Heims im 20. Wiener Gemeindebezirk schaut. Hier wohnt die 26-Jährige seit einem halben Jahr mit ihrem ältesten Sohn.

Ansuchen für eine Gemeindewohnung

Jedenfalls blieben ihr damals in der Feinkost, wo sie unter anderem Wurstsemmeln belegt hat, 700 Euro. Die Miete der Wohnung, in der sie und ihr ältester Sohn bis vor einem halben Jahr wohnten, betrug 520 Euro - das ging sich irgendwann nicht mehr aus. Sie kündigte im Einvernehmen.

Jetzt ist Daniela M. ein Jahr arbeitslos, bezieht Notstandshilfe, aber mit der kleinen Zweizimmer-Wohnung im Caritasheim, für die sie 258 Euro bezahlt, kommt sie über die Runden. Zwei Jahre darf man in dem Haus bleiben. Bis dahin hofft M., 1000 Euro gespart zu haben, dann will sie für eine Gemeindewohnung ansuchen.

Gearbeitet hat M. schon viel: Als Reinigungskraft im Krankenhaus, im OP-Bereich, in der Psychiatrie, in einer Fabrik als Verpackerin. Aber ihr Traum als Kind war ein anderer: "Ich wollte Kindergartentante werden, also Kindergärtnerin, weil Kinder habe ich immer schon über alles geliebt. Ich hab schon auf Kinder anderer aufgepasst, als ich selber noch keine hatte." Warum wurde sie nicht Kindergärtnerin? "Mit 14 war ich schwanger, dann habe ich die Schule abgebrochen."

Kurs als Kindergartenassistentin

Wie war das, so jung schon Mutter zu werden? "Komisch", sagt Daniela M. und fährt sich durchs Haar, "die Freundinnen hatten keine Kinder, und sind fortgegangen und so ... und mich hat das nicht mehr interessiert. Und mit 20 war ich Mama von vier Kindern". Ihre Mutter, die als Kind aus Serbien nach Österreich kam und später selbst drei Kinder allein aufgezogen hat, habe Daniela M. sehr unterstützt: "Zu ihr habe ich auch heute noch ein sehr gutes Verhältnis."

Ende März entscheidet sich, ob Daniela M. einen dreimonatigen Kurs als Kindergartenassistentin machen kann. Im Heim gefällt es Daniela gut, ihrem Sohn auch. "Am Anfang war er skeptisch, aber jetzt fühlt er sich sehr wohl hier." Er geht weiter in seine alte Volksschule, hat aber auch unter den Kindern der anderen Frauen im Heim, Österreicherinnen und Migrantinnen, schnell Freunde gefunden.

Daniela selbst auch: "Man trifft sich beim Rauchen am Gang oder, wenn wir Gutscheine fürs Schwimmbad oder Schönbrunn gespendet bekommen, unternehmen wir auch zusammen etwas oder feiern Geburtstag miteinander". Geld drehe man "halt immer dreimal um, Luxus kennen wir nicht".

Was ist für sie Luxus? "Wenn ich einfach shoppen gehen könnte und zum Beispiel meinem Sohn auch eine Hose kaufen könnte, die mehr als 20 Euro kostet. Oder essen gehen. Und ich hätte gerne einen Führerschein." (Colette M. Schmidt, derStandard.at, 24.3.2014)

  • Daniela M. lebt seit einem halben Jahr in einer Zweizimmer-Wohnung im Caritasheim im 20. Wiener Gemeindebezirk.
    foto: cms

    Daniela M. lebt seit einem halben Jahr in einer Zweizimmer-Wohnung im Caritasheim im 20. Wiener Gemeindebezirk.

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