Prozess in Wien um den Nasenbeinbruch vor dem Partystadl

25. März 2014, 10:11
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Ein mehrfach vorbestraftes Duo soll zwei Kontrahenten vor einem Lokal grundlos attackiert haben. Die Angeklagten plädieren auf Notwehr

Wien – Es geht um den "Tanz- und Partystadl Cabrio", "geile Titten" und das gebrochene Nasenbein von "Little": Deshalb sitzen Adrian K. und Markus F. vor Richterin Stephanie Öner, Staatsanwalt Florian Pöschl wirft dem Duo schwere Körperverletzung vor. Die beiden neun- beziehungsweise achtfach vorbestraften 29-Jährigen sehen nur Notwehr.

Sie erzählen die Vorgänge am 9. Juni um 5.10 Uhr vor dem "Cabrio" in Wien-Favoriten so: Man habe in einer Gruppe vor dem Lokal auf ein Taxi gewartet, als Christian H. und "Little" N. angewankt kamen. H. belästigte K.s Freundin verbal, dann griff er ihr auf die Brust – ein schlecht gezielter Schlag K.s und eine Rangelei waren die Folgen, F. brach N. dabei die Nase.

Das tut ihm auch leid. "So unnötig, das Ganze, so unnötig", sagt er. Aber: Er wollte eigentlich nur schlichtend eingreifen und seinem Freund helfen. N. sei aber aggressiv gewesen und habe immer wieder versucht, ihn zu attackieren. "Irgendwann muss ich dann auch zurückschlagen", rechtfertigt er sich. "Hätten Sie nicht eine andere Lösung als einen Nasenbeinbruch finden können?", fragt Öner. "Ich hätte schon vorher gehen müssen, das wäre gescheiter gewesen", gesteht F. ein.

"Aus vier Metern angesprungen"

Die Opfer schwören bei ihrem Ehrenwort, dass es nicht so gewesen sei. "Wir waren auf dem Weg von der Lederhosn ins Cabrio", sagt H. „Die haben mich aus drei, vier Metern plötzlich angesprungen.“ Motivlos. "Die haben einfach hauen wollen, warum, weiß ich bis heute nicht."

"Kann es nicht sein, dass Sie vorher mit wem gesprochen haben?", fragt Öner. Der Satz: "Schau da die Weiber an, schöne Beine, geile Titten" soll gefallen sein. "Nein, ich habe nichts gesagt!"

"Haben Sie mit K. eine Nahebeziehung in Form von Faustschlägen gehabt?", will Verteidiger Michael Bereis wissen. H. kann sich nicht erinnern.

Der friedfertige "Little"

Der, wie er zum Beweis seiner Friedfertigkeit betont, 1,63 Meter große N. erzählt eine in wesentlichen Punkten doch andere Geschichte. Beispielsweise will er den Beginn des Streits nicht verfolgt haben, weil er kurz ins "Cabrio" gegangen sei. Aggressiv sei er nicht gewesen, bevor ihm F. ins Gesicht schlug.

Öner geht dramaturgisch geschickt vor: Das Video einer Überwachungskamera hebt sie sich bis zum Ende des Beweisverfahrens auf. Und dort ist zu sehen, dass die Darstellung der Opfer nicht einmal ansatzweise stimmt. Zumindest der Beginn hat sich so abgespielt, wie es die Angeklagten und auch K.s Freundin geschildert haben.

Die Gruppe steht vor dem Lokal, als H. und N. herangeschlendert kommen und ganz offensichtlich zu kommunizieren beginnen. K.s Freundin entfernt sich noch, wie von ihr als Zeugin geschildert, H. rückt nach. Ob es dann eine Berühung gab, ist nicht klar zu erkennen. Dass K. ausholt und Richtung Gesicht schlägt dagegen schon. Der Nasenbeinbruch hat sich dagegen auf der anderen Straßenseite abgespielt und ist nicht zu sehen.

Staatsanwalt als Verteidiger

"Ich will dem Verteidiger nicht sein Geschäft wegnehmen, aber es kann nicht so gewesen sein, wie die Opfer sagen", sagt selbst Ankläger Pöschl am Ende. Öner sieht das auch so. Aus ihrer Sicht war der Nasenbeinbruch eine eindeutige Notwehrsituation, F. habe seinen Freund verteidigt. Bei K. sei es ein wenig schwieriger gewesen. "Wenn es eine sexuelle Belästigung gibt, sind Sie berechtigt, die abzuwehren. Aber mit dem gelindesten Mittel." Allerdings billigt sie dem Angeklagten zu, dass sich die Gruppe von den Pöbelnden zunächst entfernt habe. Daher spricht sie das Duo rechtskräftig frei. (Michael Möseneder, derStandard.at, 25.03.2014)

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