Arbeitsunterbrecher E-Mails

24. März 2014, 14:18
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Ohne E-Mails zu leben und vor allem zu arbeiten ist undenkbar geworden. Das allerbeste an der elektronischen Post ist: Sie ist praktisch. Sie kann aber auch nerven und ablenken

Der Blick in den Online-Papierkorb zählt über hundert gelöschte E-Mails - aussortierte Post von zwei Tagen. Und auch der Spam-Ordner ist in aller Regelmäßigkeit randvoll. Laut GloboMeter werden pro Sekunde weltweit mehr als 3,7 Millionen E-Mails verschickt, jeden einzelnen erreichen durchschnittlich 74 E-Mails am Tag, 13 davon ungewollte. Über letztere Zahl ließe sich vortrefflich streiten.

Ein Arbeitsalltag ohne E-Mails ist jedenfalls unvorstellbar geworden. Im Minutentakt purzeln die Nachrichten in den Postkasten. Allzuschnell ist man dazu verleitet, die Aufgabe, der man sich gerade hingebungsvoll widmet, zu unterbrechen, um im Posteingang zu stöbern. Das allerdings, laut Forschern der Kingston University London, auf Kosten der Arbeitsqualität. E-Mails zu lesen und dabei gleichzeitig einer anderen Arbeit nachzugehen, funktioniere nur in der Theorie gut, praktisch aber schleichen sich dadurch viele Fehler ein.

Stress, ganz selbst gemacht

Der permanente Blick in den elektronischen Briefkasten erzeuge Stress, davon sind die Forscher überzeugt. Aber nicht nur das: Dieser Stress ist ein negativer Selbstläufer - er nimmt nämlich ohne weiteres Zutun sukkzessive zu. Also auch dann, wenn die eintreffenden E-Mails gar nicht mehr werden. Pradox? Die Forscher der Kingston University nennen dieses Phänomen "Phantom-Alarm", der durch einen falschen Umgang mit E-Mails erzeugt und verstärkt werde.

Beispiele für den schlechten Umgang mit E-Mails sind etwa das (ständige) Lesen beruflicher Mails in der Freizeit oder die Angewohnheit während eines Gesprächs E-Mails durchzusehen. Das sei nicht nur unhöflich, so ein Verhalten erzeuge ebenfalls Stress. Aber auch das Gegenteil des permanenten E-Mails-Checkens gibt es: das E-Mail-Ignorieren. Ebenfalls nicht besonders höflich, gilt dieses Verhalten als Zeichen der Überforderung.

Der absolute Spitzenreiter unter den Stressoren sind permanent versandte Massen-E-Mails, die meist auch noch Inhalte entbehren. Gleich dahinter rangiert die Lesebestätigungs-Anforderung. Entweder wird diese genervt weggedrückt, oder sie versetzt den Empfänger unter Druck ständig und sofort antworten zu müssen - auch wenn der Inhalt noch gar nicht gelesen wurde. (haa, derStandard.at, 24.3.2014)

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