Von der Schülerzeitung zum "Magazin-Kaiser"

20. August 2003, 16:40
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Startete mit 14 den "Rennbahn-Express" - Mischte mit "Basta" und "News" die Printlandschaft auf - Magazinschlacht und umstrittene Fusion - Nach Rückzug neue Projekte geplant

Wohl kaum jemand hat in den vergangen Jahrzehnten die österreichische Print-Branche so aufgemischt wie Wolfgang Fellner (48), stets gemeinsam mit seinem um zwei Jahre jüngeren Bruder Helmuth. Aus den blutjungen Gründern der Schülerzeitung "Rennbahn-Express", die 1968 das Licht der Welt erblickte, wurden schließlich zwei Medienmanager, die spätestens mit der umstrittenen trend-/profil-Fusion zu "Magazin-Kaisern" aufstiegen.

Geboren wurde Wolfgang Fellner am 13. Oktober 1954 in Wien, seine Schulzeit verbrachte er in Salzburg. Im Alter von 14 Jahren startete er den "Rennbahn-Express", der 1972 überregional wurde und in der Folge ganze Generationen junger Österreicher als Alpenrepublik-Version der deutschen "Bravo" begleitete. 1983 erblickte mit "Basta" das nächste Kind der Fellner-Brüder das Licht. Gemeinsam mit dem "Wiener" hielt so der Zeitgeist Einzug in die österreichische Printlandschaft.

"Traum von 'News'"

"Basta" und "Rennbahn-Express" wurden zu ihrer profitabelsten Zeit an die Kurier-Gruppe verkauft, und die Gebrüder Fellner begaben sich zwecks Fortbildung in die USA. Wie prägend dieser Aufenthalt war, hat Wolfgang Fellner im vergangenen Jahr in der "News"-Jubiläumsnummer geschildert, sei doch dort, bei "Time", "InStyle" und "People", der "Traum von 'News'" geboren worden. 1992 verwirklichte er diesen Traum: "Jetzt kommt 'News'" schallt es seither wöchentlich durch Österreich.

Mit dem Konzept von "sechs Magazinen in einem Heft" waren die Fellner-Brüder bei Leserschaft und Werbewirtschaft erfolgreich. Zugleich leiteten sie ein Entwicklung ein, die von Kritikern als "Vernewsung" der Medienlandschaft und "Fellnerismus" beklagt wird: "Quasijournalismus" wird "News" und Co. immer wieder vorgeworfen, gar als "journalistische Katastrophe" geißelte "Falter"-Chefredakteur Armin Thurnher erst vergangenes Jahr wieder die Info-Illustrierte.

Schlacht mit Gutscheinen, Gratisexemplaren und Geschenken

Auf "News" folgte "tv-media" (1995), "e-media" (2000) und schließlich "Woman" (2001). Für Aufsehen und in der Folge für "die Mutter aller Magazinschlachten" sorgte allerdings die Gründung von "Format" im Jahr 1998. Das Nachrichtenmagazin wurde als Kampfansage an "profil" gegründet. Beim Konkurrenzkampf erschienen die journalistischen Mitteln aber oft im Hintergrund; an vorderster Front wurde die Schlacht mit Gutscheinen, Gratisexemplaren und Geschenken geführt.

Die Auseinandersetzung gipfelte - und endete - in der umstrittenen Fusion von News-Gruppe und trend-/profil-Verlag, die die erbitterten Konkurrenten unter einem Dach vereinte. Das Kartellgericht stimmte mit Auflagen zu, Kritiker werden aber noch heute nicht müde, vor den Konsequenzen dieses weiteren Konzentrationsschubs für die österreichische Medienlandschaft zu warnen. Wolfgang Fellner betonte indes stets, dass ohne das Zusammengehen das "profil" dem Untergang geweiht gewesen wäre. Dass er im Vorfeld der Kartellentscheidung bei "Absprachen" mit hochrangigen FPÖ-Politikern gesehen worden sein soll, quittierte er damals mit dem Sager: "Ich weiß nicht, ob ein Klon von mir unterwegs ist, aber in Wien schwirren derzeit Gerüchte der absurdesten Art herum." Dieser "Fellner-Klon" hat sich danach in der Branche zu einem echten geflügelten Wort gemausert.

Radioengagement

Ganz ungewohnt muss angesichts dieser Medienkarriere der einzige große Flop für Wolfgang Fellner gekommen sein: Mit der Rundfunkliberalisierung stieg man 1998 via Antenne Wien ins Privatradiogeschäft ein. Doch die gewohnten Marketing-Rezepte schienen für dieses Medium nicht zu funktionieren: Die Fellner-Brüder zogen sich vom ungewohnten Terrain wieder zurück. Dass künftig wieder ein verstärktes Engagement im Äther angesagt sein könnte, hat sich aber schon angedeutet: Mittlerweile ist sowohl Antenne Wien als auch Antenne Salzburg wieder in Fellner-Besitz.

Helmuth, der Manager, hat sich bereits vor längerer Zeit aus dem operativen Geschäft verabschiedet, Wolfgang, der Blattmacher, gibt mit Jahresende die Herausgeberschaft ab. "Den Kopf frei " für neue Projekte will Wolfgang Fellner nach seinem Rückzug haben, sagte er am Mittwoch. Die kommenden Monate kann die Branche nun mit Mutmaßungen über den nächsten Coup von "Wofe" verbringen. Er selbst schweigt sich noch aus - sind die neuen Projekte aber spruchreich, ist davon auszugehen, dass Österreich mit bewährter Marketing-Vehemenz informiert wird.

Wolfgang Fellner ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Wien. (APA)

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