Tagebuch-Wettbewerb: "Was ich letztes Mal geschrieben habe, ist perverser Blödsinn!"

Video25. März 2014, 08:46
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Pubertät kann wirklich erheiternd sein, wenn man drüber hinweg ist. Zehn Kandidaten öffneten am Sonntag ihr Tagebuch fürs Publikum

Diana Köhle redet nicht mehr übers Wetter. Ihre neue Smalltalk-Frage "Hast du mal Tagebuch geschrieben?" führt zu den lustigsten Mädchenklo-Gesprächen. Dabei hat Köhle einen Hintergedanken: Sie sucht Teilnehmer für einen Wettbewerb im Tagebuchvorlesen. Deshalb forscht sie jeden aus, der ihre Frage bejaht.

Auch das Publikum am Sonntag im Theater an der Gumpendorfer Straße (TAG) muss sich einem Fragenkatalog stellen, bevor die Show beginnt: "Alle, die es verbrannt haben, setzen!", "Wer hat sich nie wieder getraut, reinzuschauen?" Alles keine Voraussetzungen, um am Tagebuch-Slam teilnehmen zu können.

Aus dem Tagebuch-Wettbewerb: "Er2 und Er3 haben uns heute angesprochen."

Der Zuschauerandrang ist, seit Köhle die Veranstaltung im November 2013 nach Wien gebracht hat, groß. Es fehlen eher die Mutigen, die ihre meist streng geheimen und mit einem goldenen Schloss versperrten Büchlein öffnen und auf der Bühne vorlesen. Am 27. 4. gäbe es dafür wieder eine Gelegenheit beim nächsten Tagebuch-Slam.

Die Regeln

Ählich wie bei einem Poetry-Slam sind es traditionell neun Slammer, die in Dreiergruppen gegeneinander antreten. Man bekommt fünf Minuten, um aus dem Originaltagebuch vorlesen zu können. Das Publikum wählt seine Favoriten mit Applaus in die Finalrunde und anschließend zum Sieger. Beim Diary-Slam sind die poetischen Künste nur nebensächlich.

Wer eine bewegte Pubertät durchlebt und dies auch dokumentiert hat, ist gut aufgestellt. Denn im Gegensatz zum Poetry-Slam, wo die Unterhaltung ein bisschen dem Zufall unterliegt - also ein wahrer Meister oder schnarchiger Vorleser am Mikrofon hängen kann -, bringen bei diesem Slam alle Beiträge das Publikum zum Lachen, manchmal ist es die Fremdscham, manchmal die Teenager-Philosophie.

Am 27. 4. 2014 um 19 Uhr findet der nächste TAGebuch-Slam im Theater an der Gumpendorfer Straße statt. Karten sollten rechtzeitig vorbestellt werden, da die Veranstaltung erfahrungsgemäß sehr bald ausverkauft ist. (Maria von Usslar, derStandard.at, 24.3.2014)

Die besten Ausschnitte vom Slam:

Der Sieger des Abends. Er raucht gerne (nicht um cool zu sein!), findet Männer aus Saalfelden heiß und möchte unerkannt bleiben.

Jimi (das ist in Anlehnung an Jimi Hendrix sein Tagebuch-Alter-Ego) würde gerne Nora, Tina, Ines, Kerstin und Nikki "durchbumsen", und Madonna ist die geilste Braut von hier bis Texas.

Lydia hat vier Tagebücher mitgebracht, die alle von "ihm" handeln. 

Thomas hat ein Wolf- und Teddybär-Trauma von einem Auslandsaufenthalt in Fremont, Michigan. Ihn verwunderten auch die 22 Kirchen für 4.000 Einwohner.

Miriam findet Kiwis lecker, obwohl sie hässlich ausschauen. Genauso sollte es ihrer Meinung nach mit Menschen sein. Schulfrei findet sie doof, weil sie dann Hasi nicht sehen kann.

Sarah hat keinen Bock mehr auf ihren ersten Freund Kevin: "Ich habe es satt, so von einem Kind behandelt zu werden!"

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