Ermittler: MH370 stürzte in südlichen Indischen Ozean

24. März 2014, 15:15
1013 Postings

Laut malaysischem Premierminister Ergebnis von Untersuchungen - Keine Überlebenden laut Malaysia Airlines

Perth / Peking / Kuala Lumpur - Britische Ermittler haben aus ihnen vorliegenden Informationen geschlossen, dass die verschollene Boeing von Malaysia Airlines westlich der australischen Küstenstadt Perth ins Meer gestürzt ist. "Gemäß den neuen Daten endete Flug MH370 im südlichen Indischen Ozean", sagte der malaysische Premierminister Najib Razak bei einer Pressekonferenz am Montag um 22 Uhr Ortszeit (15 Uhr MEZ).

Zuvor wurden Angehörige der Passagiere über die neuen Erkenntnisse informiert. "Sie haben uns mitgeteilt, dass es keine Überlebenden gibt", sagte ein Verwandter laut CNN. Die Behörden stützen sich auf Informationen der UK Air Accidents Investigation Branch, die auf einer neuartigen Analyse von Satellitendaten des Unternehmens Inmarsat basieren. Demnach war die nachweislich letzte Position der Maschine "fernab jeglicher Landemöglichkeit".

Premier Razaks Statement im Wortlaut:

"This evening I was briefed by representatives from the UK Air Accidents Investigation Branch (AAIB). They informed me that Inmarsat, the UK company that provided the satellite data which indicated the northern and southern corridors, has been performing further calculations on the data. Using a type of analysis never before used in an investigation of this sort, they have been able to shed more light on MH370's flight path.

Based on their new analysis, Inmarsat and the AAIB have concluded that MH370 flew along the southern corridor, and that its last position was in the middle of the Indian Ocean, west of Perth.

This is a remote location, far from any possible landing sites. It is therefore with deep sadness and regret that I must inform you that, according to this new data, flight MH370 ended in the southern Indian Ocean.

We will be holding a press conference tomorrow with further details. In the meantime, we wanted to inform you of this new development at the earliest opportunity. We share this information out of a commitment to openness and respect for the families, two principles which have guided this investigation.

Malaysia Airlines have already spoken to the families of the passengers and crew to inform them of this development. For them, the past few weeks have been heartbreaking; I know this news must be harder still. I urge the media to respect their privacy, and to allow them the space they need at this difficult time."

"Ohne berechtigte Zweifel"

Malaysia Airlines schickte kurz vor dem Briefing eine Nachricht an die Hinterbliebenen der 239 Fluggäste aus: "Wir müssen mit tiefstem Bedauern und ohne berechtigte Zweifel davon ausgehen, dass MH370 verloren ist und keiner der Passagiere überlebt hat."

In einem Hotel in Peking, in dem viele Angehörige der mehrheitlich chinesischen Passagiere seit dem Verschwinden der Maschine vor über zwei Wochen verharrt hatten, reagierten die Anwesenden nach der Verkündigung mit Wut und Trauer. Mehrere Personen mussten nach Zusammenbrüchen von Rettungskräften in ein Spital gebracht werden.

Trümmer nährten Verdacht

Laut einer Stellungnahme von Inmarsat nutzte das Unternehmen Satellitendaten, um unter Berücksichtigung des Dopplereffekts die Geschwindigkeit und Flugrichtung der Maschine zu analysieren. Im Vergleich mit den Daten anderer Flüge sei man zum bestehenden Ergebnis gekommen. Es lag laut BBC-Reporter Richard Westcott bereits Sonntagabend vor, musste vor der Veröffentlichung aber erst bestätigt werden.

Die Ergebnisse der Ermittler wurden am selben Tag veröffentlicht, an dem australische und chinesische Suchflugzeuge in derselben Gegend des Indiks mögliche Wrackteile gesichtet hatten. Laut Australiens Premierminister wurden am Montag Schiffe zu der Stelle geschickt, um die im Meer treibenden Teile zu bergen. Laut Malaysia Airlines wird die Suche nach dem Wrack auf jeden Fall fortgesetzt.

Laut der Nachrichtenagentur dpa rechnet das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel mit einem Auftrag zum Einsatz seines Tauchroboters "Abyss". Nähere Details zur Suche sollen am Dienstag folgen.

Malaysias Verkehrsminister Hishammuddin Hussein berichtete am Montag in Kuala Lumpur, ein mögliches Wrackteil sei kreisförmig, das andere rechteckig. Die australische Regierung habe Malaysia "wenige Minuten zuvor" über die Entdeckung informiert. Zuvor hatte bereits ein chinesisches Militärflugzeug am Montag "verdächtige Objekte" gemeldet, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Die Besatzung habe "zwei relativ große schwimmende Objekte und viele kleinere weiße innerhalb eines Radius von mehreren Kilometern" gesehen.

Zuletzt zehn Aufklärungsflugzeuge

Seit Donnerstag überflogen Flugzeuge aus den USA, Japan und Australien die entlegene Gegend 2.500 Kilometer südwestlich der australischen Stadt Perth. Am Montag kam China mit zwei Militärmaschinen dazu, die Zahl der beteiligten Flugzeuge stieg damit nach Angaben der Australischen Behörde für Seesicherheit (AMSA) auf zehn. China verstärkte zudem mit sieben Schiffen die Suche zu Wasser, an der auch australische und britische Marineschiffe beteiligt sind.

Am 8. März war die Boeing 777 von Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking von den Radarschirmen verschwunden. Später stellte sich heraus, dass Flug MH370 noch stundenlang mit geänderter Route weitergeflogen sein muss, während die Kommunikationssysteme im Cockpit offenbar von Hand abgeschaltet wurden. (red, derStandard.at, 24.3.2014)

  • Malaysias Premier Najib Razak bei der Pressekonferenz.
    foto: reuters/edgar su

    Malaysias Premier Najib Razak bei der Pressekonferenz.

  • Ein Arzt auf dem Weg zu Hinterbliebenen in einem Hotel in Peking.
    foto: reuters/jason lee

    Ein Arzt auf dem Weg zu Hinterbliebenen in einem Hotel in Peking.

  • Die Ergebnisse der Ermittler decken sich mit den Fundorten der Trümmer, …
    foto: apa/epa/amsa

    Die Ergebnisse der Ermittler decken sich mit den Fundorten der Trümmer, …

  • … die Offiziere wie der Australier Marc Smith zuvor im Ozean gesichtet haben.
    foto: reuters/richard wainwright

    … die Offiziere wie der Australier Marc Smith zuvor im Ozean gesichtet haben.

  • Die deutsche Tiefseedrohne "Abyss" soll bei der Suche nach dem Wrack zum Einsatz kommen.
    foto: reuters/fabian bimmer

    Die deutsche Tiefseedrohne "Abyss" soll bei der Suche nach dem Wrack zum Einsatz kommen.

Share if you care.