Krim: Ukraine ordnet Truppenabzug an

24. März 2014, 17:17
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Hälfte der Soldaten übergelaufen - Krim wirft Ukraine vor, Stromlieferungen zu drosseln

Simferopol/Kiew - Auf der Krim ist nach ukrainischen Angaben etwa die Hälfte der Soldaten zu den russischen Truppen übergelaufen. Nach russischen Angaben waren zu Beginn des Konflikts gut 18.000 ukrainische Soldaten auf der Halbinsel. Weiterhin befänden sich aber ukrainische Kräfte innerhalb des "besetzten Territoriums", sagte der stellvertretende Oberkommandierende Alexander Rosmasin am Montag in Kiew.

Den verbliebenen Kriegsschiffen werde die Ausfahrt ins offene Meer verwehrt. Nach Medienberichten stand zudem die Übernahme des Landungsschiffs "Konstantin Olschanski" kurz bevor. Der Anschluss der Krim an Russland wird international nicht anerkannt.

Truppenabzug

Nach der russischen Annexion der Krim zieht die Ukraine ihr Militär komplett von der Schwarzmeerhalbinsel ab. Die Truppen würden ins Kernland verlegt, sagte der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow am Montag nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates in Kiew, wie örtliche Medien berichteten. Außerdem habe das Gremium beschlossen, die Angehörigen der Soldaten in Sicherheit zu bringen. Dies gelte für "alle, die heute unter Druck ihre Häuser verlassen müssen", sagte Turtschinow.

In der Früh hatten russische Soldaten mithilfe von schwerem Militärgerät sowie Kampfhubschraubern auf der Krim einen der letzten ukrainischen Stützpunkte eingenommen. 60 bis 80 ukrainische Soldaten seien festgenommen und der Kommandant mit einem Hubschrauber fortgebracht worden, teilte der ukrainische Armeesprecher Wladislaw Selesnjow via Facebook mit. Nach dem international nicht anerkannten Anschluss der Krim hatte Russland die Ukrainer zum Abzug von der Krim aufgefordert. Zudem versuchten Bewaffnete, das Minensuchschiff Tscherkassy in ihre Gewalt zu bekommen, berichtete Selesnjow. Bereits in den vergangenen Tagen hatten russische Truppen dutzende ukrainische Schiffe, darunter das einzige U-Boot, aufgebracht sowie zahlreiche Militäreinrichtungen auf der Krim übernommen.

Ukraine drosselt Stromversorgung auf der Krim

Nach dem umstrittenen Beitritt der Krim zu Russland werfen die neuen Machthaber auf der Halbinsel der Ukraine vor, die Stromversorgung zu kappen. Nur etwa 50 Prozent des vereinbarten Lieferumfangs kämen derzeit auf der Krim an, sagte Vizeregierungschef Rustam Temirgalijew in Simferopol am Montag. Er warf der Ukraine vor, die Halbinsel nach ihrem Anschluss an Russland unter Druck setzen zu wollen.

Die Krim sei aber vorbereitet und habe hunderte Dieselgeneratoren, um auf Stromsenkungen zu reagieren. Krankenhäuser, Pumpstationen für die Wasserversorgung und die Machtstrukturen würden weiter ausreichend versorgt, sagte Temirgalijew. Gegenwärtig würden neun mobile Elektrizitätsstationen errichtet. Damit werde die Halbinsel in eineinhalb Monaten unabhängig von der Station des ukrainischen Kernlandes sein. Im schlimmsten Fall drohe für diese Zeit eine eingeschränkte Versorgung.

Ukrainische Medien berichteten, dass am Sonntagabend der Strom  etwa in Jalta, Sudak und Jewpatorija ausgefallen war. Der Versorger Krimenergo gab dem ukrainischen Unternehmen Ukrenergo die Schuld an den Engpässen. Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk hatte zuvor erklärt, dass ungeachtet der Spannungen die Halbinsel weiter versorgt werden solle, Russland dafür aber zahlen müsse. 

Rubel als zusätzliche Währung auf der Krim

Am Montag wurde auf der Krim der Russische Rubel zusätzlich zur ukrainischen Landeswährung Griwna eingeführt. Der Zahlungsverkehr mit zwei Währungen gleichzeitig werde sich innerhalb von zwei bis drei Wochen stabilisieren, sagte Temirgalijew in Simferopol. Er mahnte zu Geduld angesichts des geplanten Umtauschs von Bankeinlagen und Bargeld. Seit Montag werden auch Gehälter und Sozialleistungen sowie Steuern in Rubel gezahlt.

Merkel telefonierte mit Putin

Die deutsche Bundesregierung hat Russland aufgefordert, ein Blutvergießen in der Ukraine zu verhindern. Kanzlerin Angela Merkel habe dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Sonntag in einem Telefonat deutlich gemacht, dass sein Land dafür faktisch die Verantwortung trage, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Zudem habe Merkel erneut deutlich gemacht, dass die Annexion der Krim durch Russland unzweifelhaft gegen das Völkerrecht verstoße und nicht anerkannt werde. Als positiv wertete Seibert, dass im Gespräch auch von Putin die Entsendung von OSZE-Beobachtern begrüßt worden sei. Dies sei ein erster Schritt, um einer weiteren Eskalation vorzubeugen. (APA, 24.3.2014)

  • Nach der Erstürmung einer der letzten ukrainischen Militärstützpunkte auf der Krim ordnet Kiew den Abzug ukrainischer Truppen von der Halbinsel an.
    foto: reuters/baz ratner

    Nach der Erstürmung einer der letzten ukrainischen Militärstützpunkte auf der Krim ordnet Kiew den Abzug ukrainischer Truppen von der Halbinsel an.

  • Russische Schiffe vor dem Ausgang der Donuzlav-Bucht im südwestlichen Teil der Krim.
    foto: reuters/baz ratner

    Russische Schiffe vor dem Ausgang der Donuzlav-Bucht im südwestlichen Teil der Krim.

  • Demonstrant auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew.
    foto: reuters/gleb garanich

    Demonstrant auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew.

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