Angebot der Meinl Bank: Schweizer Schwarzgeld in Karibik

23. März 2014, 18:46
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E-Mail an Treuhänder und Vermögensverwalter - Bank distanziert sich vom Schreiben eines Managers

Wien – Da staunten Schweizer Treuhänder und Vermögensverwalter nicht schlecht. Just als Österreich den Druck auf die Eidgenossen in Sachen Bankgeheimnis erhöhte und von den Nachbarn ein Umschwenken auf den automatischen Austausch von Steuerinformationen drängte, ging eine E-Mail aus Wien ein. Absender: die Meinl Bank. Sie bietet sich darin relativ unverblümt an, Schwarzgelder aus dem Nachbarland zu verwahren. Und verweist dabei auf ihre Karibik-Dependance in Antigua.

"Grüß Gott. Mein Name ist Andreas Glatz, ich leite seit 2014 das Swiss Desk der Meinl Bank AG Wien", beginnt das Schreiben noch eher harmlos. Der Banker war demnach selbst 20 Jahre lang Treuhänder in Liechtenstein, "also ein Ex-Kollege von Ihnen", und kennt somit die Probleme der beiden westlichen Nachbarn Österreichs, seit die internationale Staatengemeinschaft die Jagd auf Steuerflüchtlinge eröffnet hat. Glatz weiter: Auch die Schweiz habe sich ja eine Weißgeldstrategie verordnet und ihre Banken verpflichtet, zweifelhafte Kunden "abzubauen". Und dann kommt jener Satz, der die Ex-Kollegen in dieser Eindeutigkeit fassungslos macht: "Aber nicht nur, wenn Sie oder ein Kollege von Ihnen solche Kunden betreuen, sollten wir uns unterhalten."

Strohmann-Konstruktion

Dann kommt Glatz gleich auf die konkreten Vorteile der Meinl Bank zu sprechen. Neben eher harmlosen Aktivitäten wie Private Banking oder Firmenkundengeschäft werden "Fiduciary transactions (Escrow Accounts)" hervorgehoben. Letzteres ist die neudeutsche Umschreibung von dem, was herkömmlich als Strohmann-Konstruktion bezeichnet wird. Vermögende verstecken dabei ihr Geld hinter Treuhändern, vorzugsweise in Steueroasen mit ausgeprägtem Bankgeheimnis. Wie sie in der Karibik üblich sind, worauf auch die Meinl Bank in der Mail verweist, die dem STANDARD vorliegt: "Für besondere Kunden und Transaktionen offerieren wir spezielle Services in der Meinl Bank Antigua."

Dort bietet das Institut offenbar groß angelegte Treuhandschaften an, auch die Provisionen von Karl-Heinz Grasser für die Tätigkeit bei Meinl International Power wurden über das Vehikel an die dem Ex-Finanzminister zurechenbare Silverwater mit Sitz auf den britischen Jungferninseln bezahlt. Der Standort wurde einst von der Notenbank im Rahmen der Prüfung der Bank durchleuchtet. Laut Bericht der Aufseher hatte Meinl in Antigua im Jahr 2009 eine Bilanzsumme von 2,4 Milliarden Euro und einen hübschen Gewinn von 74 Millionen.

Der Meinl Bank ist das Schreiben, über das die investigative Plattform insideparadeplatz.ch (der Paradeplatz ist eine wichtige Adresse für Finanzinstitute in Zürich) zuerst berichtete, hochnotpeinlich. Die Vorgangsweise des Mitarbeiters "widerspricht der Policy, Haltung und Philosophie der Meinl Bank fundamental", heißt es in einer Stellungnahme. Gegen Glatz seien "umgehend disziplinäre Maßnahmen eingeleitet" worden, was in der Praxis heißen dürfte, dass er gefeuert wurde. Die Distanzierung ist mehr als verständlich. Die Annahme von Schwarzgeld durch eine Bank kann als Beihilfe zur Steuerhinterziehung geahndet werden. (as, DER STANDARD, 23.3.2014)

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