Protest gegen Spaniens Sparkurs: Aufstand der Verführten

Kommentar23. März 2014, 18:10
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Die von der Sparpolitik Betroffenen wollen die Staatsschulden nicht mehr bezahlen

Ein Ruf wird lauter in Spanien: Die von der Sparpolitik Betroffenen wollen die Staatsschulden nicht mehr bezahlen. Die Logik hinter dieser Forderung ist einfach. Die großen europäischen Banken haben mitgezockt, als in Spanien eine Immobilienblase riesige Gewinne versprach. Vor allem aus Deutschland und aus Frankreich kamen Milliarden. Die Baukorruption erfasste die gesamte Politik. Unnütze Staatsprojekte brachten ebenso wie der Wohnungsbau Bauindustrie und Banken riesige Gewinne.

Geschicktes Marketing zog die Menschen in den Bann eines scheinbar unendlichen Monopolys, bei dem alle mitverdienen würden. Wohnungspreise sinken nicht, hieß das Mantra. Jetzt, wo sich dies als falsch erwiesen hat und die Banken auf den faulen Krediten sitzenbleiben, zahlen die Bürger. Die Verfassung wurde geändert, damit Schuldenzahlung Vorrang vor Sozialausgaben hat.

Die Beamten mussten Gehaltseinbußen hinnehmen, die Arbeitslosen bekommen keine Stütze mehr, wenn ihr Anspruch nach ein bis zwei Jahren ausläuft. Studiengebühren steigen, Stipendien wurden gestrichen. Im Bildungs- und Gesundheitswesen wird gespart und privatisiert. Und während die Banken gerettet werden, fliegen die Menschen, die unter ihrer Schuldenlast ersticken, aus ihren Wohnungen. Wenn wundert es da, dass der Ruf nach einen Stopp der Schuldenzahlung als Lösung des sozialen Dramas immer populärer wird? (DER STANDARD, 24.3.2014)

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