Irmgard Griss: Die Frau, die den Hypo-Ausschuss ausbremsen soll

23. März 2014, 18:04
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Eine anerkannte Spitzenjuristin soll eine "Untersuchungskommission" von Spindeleggers Gnaden leiten

Sie ist die Frau, mit deren Hilfe Finanzminister und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) einen von der gesamten Opposition und bis jetzt mehr als 66.000 Bürgern per Onlinepetition geforderten Untersuchungsausschuss zur Causa Hypo ausbremsen möchte: Irmgard Griss, von 2007 bis 2011 Präsidentin des Obersten Gerichtshofs (OGH), soll eine "Untersuchungskommission" von Spindeleggers Gnaden leiten und ohne "parteipolitisches Hickhack" die Causa Hypo von der Notverstaatlichung bis zur nun geplanten Abwicklung untersuchen.

Juristen, die Irmgard Griss kennen, beschreiben die 67-Jährige als "sehr straight, geradlinig und klug", eine unumstritten sehr gute Juristin, die unter Kollegen zudem als "sehr verträglich" gilt. Dass Griss, die im Oktober 2011 nach insgesamt 18 Jahren am Obersten Gerichtshof aus Altersgründen mit 65 als Präsidentin aus dem Amt scheiden musste und die als ehrgeizig beschrieben wird, Spindeleggers Auftrag für die Leitung einer Hypo-"Untersuchungskommission" auch annehmen möchte, verwundert einige juristische Wegbegleiter aber doch. 

Steile Karriere

Sei so eine Kommission doch bloß ein "Feigenblatt", das einen parlamentarischen U-Ausschuss, in dem Wahrheitspflicht gilt, nicht ersetzen könne. Mit Griss, die auch in der Pension nicht untätig war - Mitte 2013 wurde die 1946 in Bösenbach geborene Weststeirerin mit der Leitung der "Schlichtungsstelle für Verbrauchergeschäfte" betraut - hat sich Spindelegger jedenfalls eine Spitzenjuristin geangelt, die auf eine steile Karriere verweisen kann.

Begonnen hat ihr Weg an der Universität Graz, wo sie noch immer Honorarprofessorin ist. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften - daneben war sie freie Mitarbeiterin für den ORF Steiermark - ging Griss an die Harvard Law School, wo sie International Legal Studies absolvierte. Nach der Anwaltsprüfung zog es die Juristin aber auf den Richterstuhl, zuerst am Bezirksgericht für Handelssachen Wien, dann am Handelsgericht, ab 1987 am Oberlandesgericht Wien, bis sie schließlich ab 1993 als Richterin am OGH amtierte.

Was die elegante Höchstrichterin, die mit einem Grazer Rechtsanwalt verheiratet ist und die weltanschaulich eher "steirisch-nationalkonservativ" eingeordnet wird, nicht ausstehen kann, sind glamoursüchtige "Seitenblicker" - egal, ob sie aus Justiz oder Politik kommen oder Grenzgänger zwischen beiden Bereichen sind. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 23.3.2014)

  • Ex-OGH-Präsidentin Irmgard Griss.
    foto: apa/schlager

    Ex-OGH-Präsidentin Irmgard Griss.

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