Mehr Sandkiste als Donaustrand in Linz

24. März 2014, 05:30
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Die Linzer fühlen sich zu wenig nah am Wasser gebaut. Die Strand-Gastronomie an der Donau soll kommen, aber manchen ist die Fläche zu klein

Linz - "Nicht mit uns": Die Interessenten sind hörbar verärgert. Denn das, was die Stadt Linz als Donaustrand verwirklichen will, sei nicht mehr als eine große Sandkiste. Die beiden Projektwerber Sigi Goufas von Fun ABC Entertainment und Wolfram Niedermayer von Feel Events beabsichtigen, ihre Projekte zurückzuziehen. Denn auf der geplanten Fläche von 20 mal 20 Metern ließen sich ihre jeweiligen Konzepte von diversen Strandbars und Chillout-Zonen nicht umsetzen.

Im Jänner startete die Facebook-Initiative "Linz braucht einen Strand". Schon seit Jahren gibt es diese Idee, die Umsetzung scheiterte bisher aber immer an der Politik. Doch dem Aufruf im sozialen Netzwerk schlossen sich innerhalb kürzester Zeit tausende Anhänger an, woraufhin der Gemeinderat Ende Jänner beschloss, nach Möglichkeit noch heuer Strandbetrieb aufzunehmen.

Die ersten Konzepte ließen auch nicht lange auf sich warten. Außer den beiden Bewebern reichte auch Suad Helac, Betreiber eines Linzer Lokals, sein "Strandgeflüster" ein. Alle drei Entwürfe haben eines gemeinsam: Sie sind für Flächen von mehreren tausend Quadratmetern gemacht. Neben unterschiedlichen Gastro-Angeboten soll es öffentlich zugängliche Strandbereiche geben. Helac will zudem eine Bühne für Kultur.

"Zu überdimensioniert", heißt es dazu aus dem Büro von Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ). Deshalb habe man den Bewerbern jetzt mitgeteilt, bei den Planungen auf die Bremse zu steigen. Denn zuerst werde ein "Basisprojekt" von der Kunstuni erarbeitet. Darauf habe sich die Stadt bei einem Treffen mit den Initiatoren der Facebook-Gruppe geeinigt. Auch wurde bereits ein Standort festgelegt. Auf Höhe des Parkbades soll der Strand entstehen, der auch für die Gäste des Freibades zugänglich sein soll. Und weiters will man sich laut Bürgermeister darauf geeinigt haben, dass das Areal nicht größer als 400 Quadratmeter wird. Denn "die Flächenwidmung lässt nur eine sehr eingeschränkte, sanfte Nutzung zu". So sei etwa die Donaulände vom Parkbad Richtung Innenstadt, zwischen Lentos und Brucknerhaus, ein Naherholungsgebiet. Eine wie von den Projektwerbern dort gedachte Partymeile widerspreche dem.

Kein Ballermann

Auch wenn die Interessenten versichern, keinen "Ballermann" nach Linz holen zu wollen, entspricht das Vorhaben der Stadt, einen Badestrand zu schaffen, ebenso wenig ihren Absichten. "Damit macht der Donaustrand für uns nicht viel Sinn", sagt Niedermayer. Auch Goufas ist für eine derartige "Notlösung" nicht zu haben. War es doch vielmehr ihre Idee, "einen neuen urbanen Raum für Freizeit, Gastronomie, Kultur und Erholung zu schaffen". Jetzt solle nur das Parkbad um eine Attraktion reicher werden. Außerdem glaubt Goufas nicht, dass das Projekt heuer noch etwas wird.

Das sieht der Bürgermeister anders. Eine Lightversion könnte sich ausgehen. Ein Strand mit Liegestühlen und vielleicht ein Wohnwagen für die Bewirtung. Nächstes Jahr sollte dann der Ausbau erfolgen. Die Facebook-Initiative denkt da an einen Barbereich, gezimmert aus heimischen Hölzern und aus mobilen Elementen, damit bei Hochwasser alles schnell in Sicherheit gebracht werden kann. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 24.3.2014)

  • Schicke Holzmöbel und feiner Sand im Schatten der Donaubrücke: So sieht einer von drei Projektwerbern den künftigen Linzer Donaustrand. Die Stadt will freilich deutlich kleinere Brötchen backen.
    rendering: funabc

    Schicke Holzmöbel und feiner Sand im Schatten der Donaubrücke: So sieht einer von drei Projektwerbern den künftigen Linzer Donaustrand. Die Stadt will freilich deutlich kleinere Brötchen backen.

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