Polizist stirbt bei Kämpfen in Rios Favelas

23. März 2014, 13:44
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Angriffe auf Sicherheitskräfte in den Armenvierteln von Brasiliens Metropole nahmen drei Monate vor WM-Beginn wieder zu

Rio de Janeiro - Bei erneuten Ausschreitungen in einer Favela in Rio de Janeiro ist am Samstagmorgen ein Polizist erschossen worden. Dies bestätigte die Polizei. Der 44-Jährige wurde bei einem Schusswechsel in den Hals getroffen, nachdem er bei einer Kontrolle auf zwei verdächtige Personen auf einem Motorrad getroffen war. Die Täter konnten flüchten.

Bei dem Einsatz in Para Pedro im Norden der Sechs-Millionen-Stadt wurden schwere Waffen, Sprengsätze und Drogen sichergestellt, insgesamt kamen zwei Menschen bei Gewalttaten ums leben. Die Sicherheitskräfte verstärkten in den vergangenen Tagen ihren Einsatz in den oft von Drogenbanden beherrschten Armensiedlungen.

Knapp drei Monate vor Beginn der Fußball-WM hatte die Stadt Rio wegen großer Probleme in den Favelas die brasilianische Regierung um Hilfe gebeten. Nach einer Serie von Angriffen auf die Polizei wandte sich Gouverneur Sergio Cabral an Staatspräsidentin Dilma Rousseff. "Es ist klar, dass Verbrecher die Gebiete zurückerobern wollen, die jahrzehntelang in ihrer Hand waren", sagte Cabral.

Um vor der WM und den Olympischen Spielen 2016 das Image als Verbrechenshochburg abzulegen, hatte Rio 38 sogenannte Befriedungseinheiten gebildet. Dort sind rund 9000 Beamte im Einsatz, während in den Slums rund 600.000 Menschen leben.

Die Ordnungshüter sollten die in den Slums herrschenden Drogenbanden vertreiben. In den vergangenen Wochen haben Angriffe auf die Polizei aber wieder zugenommen. Die Einrichtung von festen Polizeiwachen in den Favelas gehört zum Sicherheitskonzept für die bevorstehende WM und die Olympischen Spiele in Rio 2016.

Weiter Probleme beim Stadionbau

Dazu kommen weiterhin die Probleme mit der Fertigstellung diverser WM-Stadien - Brasilien läuft die Zeit davon. Vor allem die dringend notwendigen Tests in den Arenen finden auf den letzten Drücker statt, was beim Weltverband FIFA alles andere als Begeisterung auslöst.

Das Internationale Olympische Komitee sorgt sich vornehmlich um die Themen Transport und Hotels. Nach derzeitigen Berechnungen fehlen zum Start der Spiele 3000 zugesagte Betten in der Hafenregion von Rio de Janeiro. Stattdessen will das Organisationskomitee nun Hotels im Vorort Barra da Tijuca bauen, wo viele Wettbewerbe stattfinden.

In Sachen Haushaltsplanungen hatte die öffentliche Olympia-Koordinierungsstelle APO ("Autoridade Publica Olimpica") im Jänner einen Teiletat in Höhe von 5,6 Milliarden Reais (rund 1,7 Mrd. Euro) für den Bau von Wettbewerbsstätten vorgelegt, der auch Investitionen in öffentlicher-privater Partnerschaft umfasst. Doch darin sind nur 24 von 52 Projekten enthalten.

Anlass zur Sorge gibt auch das verschmutzte Wasser in der Bucht von Guanabara, wo die Segel-Regatten ausgetragen werden. Auch die Qualität des Gewässers für die Freiwasserschwimmer ist nicht einwandfrei. Zudem gibt es Probleme mit der Finanzierung der Bauten in dem Vorort Deodoro, wo Reiten, Schießen und Moderner Fünfkampf geplant sind. (sid/APA/red - 23.3. 2014)

  • Sicherheitskräfte in der Barackensiedlung namens Mandela. Bereits vor zwei Tagen waren drei Polizei-Stationen angegriffen worden, eine davon wurde niedergebrannt. 
    foto: ap/dana

    Sicherheitskräfte in der Barackensiedlung namens Mandela. Bereits vor zwei Tagen waren drei Polizei-Stationen angegriffen worden, eine davon wurde niedergebrannt. 

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