Auch Apple, Google und Yahoo können Mails mitlesen

4. November 2014, 09:11
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Unternehmen gestehen sich Zugriff auf Nachrichten und andere Inhalte in Nutzungsbedingungen zu

Durch den Zugriff auf den E-Mail-Account eines Bloggers beim eigenen Dienst Hotmail (nun bekannt als Outlook.com) und das Lesen dort gespeicherter Nachrichten konnte Microsoft einen Mitarbeiter ausfindig machen, der unter anderem unfertige Windows-Versionen an Dritte weitergegeben hatte. Das Vorgehen sorgte prompt für Kritik, da die Auswertung der Mails ohne richterlichen Beschluss geschehen ist – ein Recht, welches sich der Konzern in den Nutzungsbedingungen selber einräumt.

Doch auch bei anderen IT-Riesen sieht es nicht besser aus. Auch Google, Apple und Yahoo haben ähnliche Klauseln dort verankert, schreibt der Guardian.

Unternehmen entscheiden selber über Notwendigkeit

So heißt es etwa bei Yahoo, die Firma könne auf "Kontoinformationen und Inhalte" des Nutzers zugreifen, wenn dies "aus gutem Grunde notwendig" sei, um "die Rechte von Yahoo zu schützen". Auch hier scheint kein vorheriger Behördenweg vorgesehen zu sein.

Ähnlich liest sich die Passage bei Google. Der Nutzer muss hier "zur Kenntnis nehmen und zustimmen", dass der Betreiber auf "Kontoinformationen und jegliche Inhalte, die damit verbunden sind" zugreifen darf, wenn dies zum Schutz des eigenen Eigentums notwendig sei.

Bei Apples iCloud lesen sich die Bedingungen ähnlich wie bei Yahoo. Auch hier reicht es aus, dass der Konzern Unheil für sein Eigentum befürchten muss, um auf "Kontoinformationen und Inhalte" des Nutzers zuzugreifen. In den deutschsprachigen Nutzungsbedingungen finden sich sinngemäß idente Passagen, wie Golem berichtet. Konkrete Definitionen zu den notwendigen Verdachtsmomenten gibt es nicht.

Microsoft überarbeitet Vorgehen

Eine Stellungnahme gegenüber dem Guardian hat bis dato noch keiner der drei IT-Riesen abgegeben. Bei Microsoft wurde indes eine Überarbeitung des Prozedere angekündigt. Zwar will man auch künftig nicht grünes Licht vor Gericht einholen, jedoch soll eine doppelte juristische Absegnung sicherstellen, dass man erst dann auf die Inhalte von Nutzerkonten zugreift, wenn man auch davon ausgehen kann, dass ein Gericht dem zustimmen würde. (gpi, derStandard.at, 23.03.2014)

  • Auch Yahoo, Apple und Google gestehen sich selbst Zugriff auf Nutzerinhalte zu, wenn man dies zur Schadensabwendung für angemessen hält.
    foto: derstandard.at

    Auch Yahoo, Apple und Google gestehen sich selbst Zugriff auf Nutzerinhalte zu, wenn man dies zur Schadensabwendung für angemessen hält.

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