Master der Inkompetenz

Kolumne21. März 2014, 17:00
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Unsere Versager müssen professioneller werden

Oh ja, es ist etwas faul im Staate Österreich. Erst schaffen der lustige Jörg und seine fidelen Pleitebanker in Kärnten die finanzielle Basis dafür, dass jede österreichische Familie bis ins dritte Glied Schuldendienst leisten darf. Dann setzt die Bundesregierung noch einen drauf und arbeitet ihrerseits dran, den Schaden für den Steuerzahler möglichst zu maximieren. Im Burgtheater herrscht indes ein heiteres Parallelbuchhaltungs- und Barauszahlungswesen, frei nach dem Motto "Was kostet die Welt?"

Als naiver Staatsbürger nimmt man an, dass es eigentlich Aufsichtsgremien geben müsste, die all diesen selbstverliebten Bank-, Theater- und sonstigen Direktoren auf die Finger schauen und ihnen begreiflich machen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen.

Jedoch: Welch ein Irrtum! Offenkundig sind die meisten dieser kostbaren "Holdings" und "Aufsichtsräte" und "Kontrollorgane" mit den unfähigsten Minderleistern besetzt, die das Land aufzubieten hat: notorische Wegschauer, hirntote Hans-Guck-in-die-Lufte, Nichtsgneißer, Budgetblindschleichen, Buchhaltungsbanausen, Geschäftsgebarungsgimpel, Revisionshasardeure, Kontrollclowns, Überprüfungs-Scheiß-mir-Nixe, Fünf-grad-sein-Lasser.

Das Empörendste freilich ist, dass diese - so gut wie immer mit einem Parteibuch versehenen - Luxusstümper nicht einmal akademisch geschulte Versagerprofis sind, sondern sich ungeniert auf ihre natürliche Inkompetenz verlassen. Was wir daher dringend brauchen, ist eine Fachhochschulausbildung zur Professionalisierung des Versagertums in allen österreichischen Aufsichtsgremien.

Der Standort der FH soll tunlichst in Kärnten liegen. Hier erste Vorschläge für das Curriculum: "Das Prinzip 'Tramhapert': Ignoranz als österreichischer Verfassungsgrundsatz (Einführungsvorlesung)"; "Unachtsamkeitstraining für Anfänger"; "'Das konnte ich nicht wissen': Verantwortungswegweisung für mäßig Fortgeschrittene"; "Tomaten auf den Augen, Bohnen in den Ohren - Proseminar zur Phänomenologie des Nichtbemerkens".

Bei ordnungsgemäßem Abschluss des Studienganges winken interessante Titel: "Bachelor des Revisionsstümpertums", "Master des Inkompetenz" und "Akademisch approbierter Aufsichtsunrat". Das klingt nicht nur toll. Auch die Berufsaussichten sind in Österreich hervorragend. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 22./23.3.2014)

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