Demenz: Keine wirksame Therapie, aber Prävention möglich

21. März 2014, 16:01
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Ein gesunder Lebensstil und umfassende Bildung können Demenz verhindern, sagt der deutsche Neurologe Otto Witte

Berlin – Mit zunehmendem Alter verschlechtern sich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassungsgabe, aber auch die Lern- und Entscheidungsfähigkeit. In Österreich gibt es rund 100.000 Menschen mit diesen Symptomen: Demenzkranke. Diese Zahl soll sich bis 2040 verdreifachen. Methoden der klinischen Neurophysiologie und Bildgebung ermöglichen es, die Hirnaktivität zu beobachten, die diesen Symptomen zugrunde liegt.

Keine Medikamente

Bisher gibt es keine Medikamente, die eine Demenz vorbeugen. "Etwa die Hälfte ließe sich aber vermeiden oder zumindest beeinflussen, indem Risiken wie starkes Übergewicht, Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck im mittleren Lebensalter, Rauchen, körperliche Inaktivität, Depression oder ein niedriger Bildungsstand verhindert würden", sagt Otto Witte, Direktor der Klinik für Neurologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Eine bis zu 25-prozentige Reduktion dieser beeinflussbaren Risikofaktoren würde weltweit die Zahl der dementen Patienten um etwa drei Millionen reduzieren.

Körperliche Inaktivität etwa verursacht weltweit etwa jede achte Demenzerkrankung. Durch Sport werden im Gehirn trophische Faktoren freigesetzt, die die Lernfähigkeit erhöhen. Gleiches gilt auch für geistige Aktivität: Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass Videospiele im Alter die kognitive Flexibilität verbessern. "Digitale Medien müssen daher nicht zur Verdummung beitragen, sondern können auch positive Effekte haben", sagt Witte.

Umfassende Bildung

Vielfältige Untersuchungen zeigen, dass kognitive Reserven im Alter - und damit die Dauer eines guten Gedächtnisses - umso besser sind, je besser die multidimensionale Ausbildung in der Jugend ist. "Das Humboldtsche Bildungsideal einer umfassenden Bildung, also nicht nur in Mathematik und Naturwissenschaften, sondern auch über Musik und Literatur, kann für das Gedächtnis im Alter von Vorteil sein", sagt der Experte.

Schon vor der Geburt wird die Grundlage gelegt: Starker Stress für die schwangere Mutter beeinträchtigt die Gedächtnisleistung des Kindes - besonders im Alter. Es gibt aber eine Möglichkeit, die spätere Gedächtnisleistung zu verbessern: "Vor allem in der frühen Entwicklung sollten Säuglinge und Kleinkinder viel Zuwendung erfahren. Das hat einen bleibenden positiven Effekt auf die spätere Gedächtnisleistung", so Witte. (red, derStandard.at, 21.3.20149

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    foto: dpa/david hecker
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