Pendlerrechner soll realitätsnäher werden

21. März 2014, 15:22
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Der Pendlerrechner soll manche Pendler massiv benachteiligt haben, jetzt wird an der Umstellung gearbeitet

Wien - Der Pendlerrechner wird nun nach Kritik der niederösterreichischen Arbeiterkammer geändert. Laut Angaben des Finanzministeriums soll die Umstellung binnen zwei Monaten erfolgen. Grund für die Anpassung: Laut der AKNÖ litt der Rechner unter massiven Schwachstellen, die vor allem zulasten der Pendler gegangen seien.

In den vergangenen Wochen seien zahlreiche Beschwerden bei den AKNÖ-Steuerexperten eingegangen: Aufgrund falscher Kilometerberechnungen und teils abenteuerlicher Wegstrecken, die als Basis für die Pendlerpauschale herangezogen wurden, sei den Pendlen Geld entgangen, auf das sie eigentlich Anspruch hätten.

"Da ging es nicht mehr um eine Kleinigkeit. Wir sprechen hier von mehreren hundert Euro, die so vielen Pendlern vorenthalten wurden", erklärte AKNÖ-Präsident Markus Wieser in einer Aussendung. Schon in der Begutachtungsphase der Verordnung habe die Arbeiterkammer auf die Fehleranfälligkeit hingewiesen, trotzdem sei der Pendlerrechner online gegangen.

Näher an die Realität

Aus dem Finanzministerium hieß es, der Rechner werde "realtitätsnäher" gestaltet. Zu den Änderungen zählen die Berücksichtigung von Park-and-ride-Anlagen in der Nähe, Fußwege zählen nicht mehr zur Öffi-Strecke, und Autofahrzeiten sollen realistischer angenommen werden. Kritisiert worden war etwa, dass direkt neben einem Bahnhof lebende Arbeitnehmer vom Pendlerrechner mitunter zu weit entfernten Park-and-ride-Anlagen geschickt wurden. Und statt über Umfahrungsstraßen wurden die Routen häufig direkt durch in Stoßzeiten verstopfte Ortszentren geführt.

In Fällen, in denen sowohl eine reine Öffi-Variante als auch eine Park-and-ride-Variante zur Verfügung steht, soll nun ein näherer Park-and-ride-Parkplatz herangezogen werden. Wenn im Bereich der Zumutbarkeit sowohl eine reine Öffi-Variante als auch eine Park-and-ride-Variante zur Verfügung steht, wird bei geringem zeitlichem Unterschied die reine Öffi-Variante für die Berechnung herangezogen.

Fußweg und andere Grenzfälle

Fußwege vom öffentlichen Verkehrsmittel zur Arbeit beziehungsweise nach Hause sollen bei der Berechnung nicht wie bisher der Öffi-Strecke zugeordnet werden. Dadurch reduziere sich diese, wodurch in Grenzfällen der Pendler eher Anspruch auf das große Pendlerpauschale habe, so das Ministerium.

Außerdem werde die Auswahl von Hin- und Rückfahrt strecken- statt zeitabhängig geschehen: Wenn im Rahmen der Unzumutbarkeit Hin- und Rückfahrt unterschiedlich lang sind, soll künftig nicht mehr auf die längere Zeitdauer, sondern auf die entfernungsmäßig weitere Strecke abgestellt werden. Da die Pendler überwiegend zu Stoßzeiten pendeln, wird die hinterlegte Durchschnittsgeschwindigkeit für Pkw-Fahrten "etwas reduziert".

Die Frist zur Abgabe der Erklärung wird bis 30. September verlängert (ursprünglich 30. Juni). Jene, die das Formular bereits abgegeben haben, von den Änderungen jedoch profitieren würden, können die Erklärung erneut abgeben. (APA/red, derStandard.at, 21.3.2014)

Wissen: Pendlerrechner

Mit dem vom Finanzministerium bereitgestellten Pendlerrechner wird ermittelt, wie viel Pendlerpauschale den betroffenen Arbeitnehmern zusteht. Je nach Wegstrecke vom Wohnort zur Arbeit und abhängig davon, ob ein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung steht, macht das Pauschale zwischen 31 und 306 Euro monatlich aus.

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