Empört euch! Oder: Der Beginn einer Brieffreundschaft

Blog22. März 2014, 00:01
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Briefe sind ein wichtiges Instrument der österreichischen Innenpolitik

Roland Düringer schreibt Finanzminister Spindelegger einen Brief. Die Hypo Alpe Adria liegt Düringer schwer im Magen. Spindelegger solle, so Düringer, endlich "die richtigen Fragen stellen". Die Menschen haben die Schnauze voll, meint Düringer, und "wenn die Wut erst die Straßen heimsucht, bleibt dem Staat nur, sein wahres Gesicht zu zeigen: die Diktatur".

Für seinen Brief bekommt Düringer im Forum viel Zustimmung. Einige User sehen das aber anders.



Die roten Stricherl zeigen, wie solche Meinungen im Forum aufgenommen werden. "Lieber Stammtischgebrabbel als diese ewige Lügerei", antwortet ein User, "immerhin ist das die Stimme des Volkes."
Der User Bienenfresse bringt seine Kritik auf den Punkt: "Düringer ist der Lauda für Standard-Leser." Andere User finden Parallelen zu Protestbewegungen im Ausland.

Volksnahe Kabarettisten

Michael Spindelegger schreibt zurück und rechtfertigt sich für die Anstaltslösung, in der die Hypo nun abgewickelt werden soll. Er habe "Fakten geschaffen", und der Steuerzahler werde nicht allein auf den Kosten sitzenbleiben, denn "Kärnten, die Bayerische Landesbank und die Risikokapitalgeber werden auch einen Beitrag leisten". Spindelegger gibt sich volksnah und lädt Düringer zum Gespräch. Am Stammtisch bleibt man skeptisch.


In der Zwischenzeit nimmt eine Petition zur Einsetzung eines U-Ausschusses, der die Causa Hypo untersuchen soll, Fahrt auf. Als fast 50.000 Menschen unterschrieben haben, sieht auch die ÖVP Handlungsbedarf – und versucht die Petition abzudrehen.


Nachdem der Ausschussvorsitzende Michael Pock von den Neos noch vor einer Entscheidung die Sitzung vertagt hat, werden SPÖ und ÖVP am Dienstag die Petition dem Finanzausschuss zuweisen, womit es nicht mehr möglich sein wird, für die Petition seine Stimme auf der Parlaments-Website abzugeben. Der stellvertretende Ausschussvorsitzende Hermann Gahr von der ÖVP sagt am Freitag im Ö1-"Mittagsjournal": "Es macht überhaupt keinen Sinn, wenn man öffentliche Diskussion auf Ewigkeit verlängert. Es wird das Ganze nicht besser."

Inzwischen stellt sich am Stammtisch eine weitere Frage:


Nach einer Woche Brieffreundschaft ist Ernüchterung eingetreten. Keine der Fragen von Düringer wurde beantwortet, die Forderung nach einem U-Ausschuss bleibt ungehört, und ein User vermutet bereits, was Österreich bevorsteht, sollte der Widerstand des aufmüpfigen Volkes nicht gebrochen werden – mehr Brieffreundschaften.


(Florian Stambula, derStandard.at, 22.3.2014)
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