Neue Hypo-Zahlen vergrößern Loch im heurigen Budget

21. März 2014, 17:44
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Der maximale Kapitalbedarf bis Oktober liegt bei 1,43 Milliarden Euro, 2013 hat die Hypo International 2,8 Milliarden Euro verloren

Wien - Nun ist der Schleier gelüftet. Am Freitagnachmittag hat die staatliche Hypo Alpe Adria den Steuerzahler wissen lassen, wie hoch der Kapitalbedarf des Instituts bis Ende September 2014 noch sein könnte. Der Maximalbetrag liegt bei 1,43 Milliarden Euro - das sind um 430 Millionen mehr als im heurigen Staatshaushalt für die Hypo vorgesehen sind.

Und so setzt sich diese Summe zusammen: 550 Millionen Euro braucht die Bank noch für die Bilanz 2013: für weitere Abwertungen und Risikovorsorgen. Konkret: Um rund 480 Mio. Euro muss das Südosteuropa-Netzwerk (SEE) abgewertet werden, 70 Mio. Euro gehen für zusätzliche Risikovorsorgen drauf, auf die der Wirtschaftsprüfer besteht. Zwar hat die Hypo erst Ende 2013 mehr als eine Milliarde Euro zugeschossen bekommen - dieses Geld ist aber, statt in die SEE-Abwertung - in die Bereinigung der Probleme in Italien geflossen. Die restlichen fast 900 Mio. Euro sollen alle Verluste abdecken, die bis zur Gründung der Abbaugesellschaft im September anfallen könnten. Darin inbegriffen ist etwa die Abwertung der Hypo-Italien auf null.

Streit um Kapitalpolster

Diese Prognoserechnung hat dem Aufsichtsrat, der am Donnerstag zwölf Stunden tagte und sein Zahlenwerk spätabends Finanzminister Michael Spindelegger zukommen ließ, am meisten Bauchweh bereitet. Denn: In den 900 Millionen sind rund 330 Mio. enthalten, die die Hypo gemäß Bescheid ihrer regionalen Aufsichtsbehörden als erhöhtes Eigenkapital vorzuhalten hat: 12,4 Prozent (JRAD-Quote).

In den Augen von Bank und Aufsichtsrat ist das freilich übertrieben, man käme auch mit der gesetzlichen Quote (neun Prozent) ungefährdet durch. Sei doch die Hypo de facto jetzt schon auf Abbau gestellt. Noch aus der von Aufsichtsratschef Rudolf Scholten geleiteten Sitzung soll mit der Aufsicht FMA zu diesem Thema telefoniert worden sein - letztlich wurden die rund 330 JRAD-Millionen aber doch ins Gesamtpaket eingerechnet. Dessen ungeachtet wollen die Banker mit den Aufsehern in Verhandlungen treten, sie hoffen auf eine befristete Aussetzung des Bescheids. In der Aufsicht hält man das freilich für unpraktikabel.

Warm angezogen

Dem Finanzminister, der ja schon länger auf Zahlen gepocht hatte, haben die Hypo-Kontrolleure jedenfalls eine Bandbreite kommuniziert. Der Kapitalbedarf der Hypo läge bei 1,1 bis 1,43 Mrd. Euro, hieß es in der Mitteilung ans Ministerium. Ein Hypo-Experte drückt seine Hoffnung so aus: "Das ist ein realistischer Betrag. Damit sollte gesichert sein, dass die Hypo nicht im Juni wieder um Geld bitten muss."

Mit viel weniger dürfte die Bank aber auch nicht durchkommen, denn: "Die Bank hat einen Wintermantel angezogen, aber nicht auch noch einen Pelzmantel darüber gelegt."

Die nächsten Schritte muss nun der Finanzminister tun. Er hat zu entscheiden, welche Art von Geldspritze er der Hypo setzen wird. Im Gespräch: Kapitalerhöhung, Garantien, Umwandlung von Partizipationskapital. Spindelegger will aber erst zahlen, "wenn es vollkommene Klarheit über die Mittelverwendung gibt".

Vollkommene Klarheit gibt es aber noch nicht einmal für die Bilanz 2013. Die wurde nämlich auch am Donnerstag nicht fixiert, der Aufsichtsrat muss zur Feststellung der Bilanz übernächste Woche erneut zusammenkommen. Was aber schon feststeht: Der Verlust der Hypo International hat sich im Vorjahr auf rund 2,8 Mrd. Euro summiert.

Weiteres Geld wird dann die Gründung der Abbaubank kosten. Beim Transfer der faulen Assets in die Abbaugesellschaft (rund 17 Mrd. Euro) und für deren Eröffnungsbilanz müssen weitere Abwertungen erfolgen.

Team für München-Match

Parallel dazu wird wohl mit den Exaktionären BayernLB und Land Kärnten verhandelt werden müssen. Ein Verhandlungsteam für die Gespräche mit den Bayern steht dem Vernehmen nach schon fest: Finanzministerberater Dirk Notheis und Hypo-Sonderkoordinator Georg Krakow sollen ins Match geschickt werden. (gra, DER STANDARD; 22.3.2014)

  • Freitagvormittag meldete die Kärntner Hypo ein "akut klaffendes Kapitalloch" an.
    foto: reuters/bader

    Freitagvormittag meldete die Kärntner Hypo ein "akut klaffendes Kapitalloch" an.

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