Im Wohnzimmer gibt's keinen Fernseher mehr

24. März 2014, 05:30
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Die ehemalige ORF-Chefin und Kurzzeitabgeordnete Monika Lindner wohnt in einer Jugendstil-Villa in Wien-Hietzing

Die ehemalige ORF-Chefin und Kurzzeitabgeordnete Monika Lindner wohnt in einer Jugendstil-Villa in Wien-Hietzing. Am liebsten aber, erfuhr Wojciech Czaja, würde sie sich unerkannt in Spanien niederlassen.

"Endlich Ruhe! Die letzten Monate waren echt sehr turbulent. Es ist kaum ein Tag vergangen, an dem ich nicht die Zeitung aufgeschlagen habe und wieder darum bangen musste, ob ich drin bin oder nicht. Im Gegensatz zu den Medien bin ich ja der Meinung, dass ich in den Schlagzeilen mehr abbekomme, als ich verdient habe. Der mediale Shitstorm war mehr, als man vertragen kann. Und was Frank Stronach betrifft: Es soll bitte keiner so tun, als wären seine anfänglichen Ideen unter den Liberal-Bürgerlichen nicht auf Zustimmung gestoßen! Dass sich seine Auftritte und Inhalte im Laufe des Wahlkampfes geändert haben, konnte ja niemand ahnen. Aber sei's drum. Ich hab's ausprobiert, und der Ausflug in die Politik war eine wichtige Erfahrung für mich.

"Ich mag Gelb, ich mag Biedermeier, und ich habe ein Faible für Architektur." Monika Lindner in ihrer 130-Quadratmeter-Wohnung in Hietzing. (Foto: Lisi Specht; Bildansicht durch Klick vergrößern)

Diesmal bin ich also wieder in der Zeitung drin, aber halt anders. Übers Wohnen spreche ich sehr gerne, denn ich habe ein ziemliches Faible für Architektur. Erstmals entdeckt hatte ich das Haus hier in den Sechzigerjahren, als ich nach Wien gezogen bin. Es hat mich auf Anhieb fasziniert, und da wusste ich noch nicht mal, dass es von einem bedeutenden slowenischen Architekten stammt, und zwar von Jože Plečnik, der ja auch das Zacherlhaus und die Heilig-Geist-Kirche in der Herbststraße geplant hatte.

1975, also Jahre später, war ich dann auf Wohnungssuche. Und siehe da, durch Zufall sind mein Mann Otto Anton Eder und ich auf diese mir schon längst bekannte Villa Langer gestoßen. Wunderschöne Lage, 130-Quadratmeter-Wohnung im ersten Stock, aber in einem katastrophalen Zustand. Egal! Denn wir waren so begeistert, dass wir den Mietvertrag unterzeichnet haben und sofort eingezogen sind.

In den ersten Monaten waren wir mit Umbauen beschäftigt. Putz abschlagen, neu ausmalen, Parkettboden schleifen, neue Leitungen einziehen, Zentralheizung installieren, Badezimmer einbauen, denn da war nur eine kleine Sitzbadewanne drin, und so weiter. Das Lackieren der Fenster und Türen habe ich selbst übernommen, denn der Kostenvoranschlag vom Maler lag damals weit über 100.000 Schilling, und das konnten und wollten wir uns nicht leisten. Also bin ich jede freie Minute wie ein Affe in den Fenstern gehangen und habe abgeschabt, abgebrannt und lackiert. So schlecht kann meine Arbeit nicht gewesen sein. Der Lack hält bis heute!

In einem Plečnik-Haus zu wohnen ist etwas Wunderbares. Das Haus wurde 1900 bis 1901 errichtet. Es gibt viele schöne Details. Die Fassade ist mit floralen Ornamenten geschmückt, und im zweiten Stock schaut sogar ein Gänsekopf auf die Straße. Nur das Stiegenhaus ist in einem bedauerlichen Zustand. Da müsste man mal mit dem Kärcher drübergehen.

Was die Einrichtung betrifft, so ist alles irgendwie zamg'wachsen. Die meisten Möbel stammen aus dem Dorotheum, aus dem Antiquitätenladen sowie von unseren gemeinsamen Reisen in die Provence. Ganz nach dem Motto: Aus jedem Dorf ein Hund. Eine wilde Biedermeier-Mischung! Am Ende passt's dann doch ganz gut zusammen. Ach ja: Im Wohnzimmer gibt es übrigens keinen Fernseher. Zumindest nicht mehr. Der steht jetzt in meinem Arbeitszimmer.

Alles in allem kann ich sagen: Hier will ich bleiben! Der Grundriss ist angenehm, und wenn im Frühjahr die Kastanien blühen, dann wähnt man sich im Paradies. Ich habe noch einen Zweitwohnsitz in Gutenstein. Und vielleicht werde ich mir eines Tages, wer weiß, ein kleines Häuschen am Meer irgendwo in Spanien anmieten. Ich persönlich würde mich ja nicht als öffentliche Person bezeichnen, aber ich merke, dass ich bei uns auf der Straße immer noch erkannt werde. Das hätte in Spanien ein Ende." (DER STANDARD, 22.3.2014)

Monika Lindner, geboren 1944 in Gleiwitz in Oberschlesien, ist in Tirol aufgewachsen. Sie studierte Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft und Philosophie und wurde 1974 freie Mitarbeiterin für den ORF. 1979 übernahm sie die Leitung der Presseabteilung. In den Neunzigerjahren konzipierte sie die Magazine Wir und Willkommen Österreich. 2002 bis 2006 war sie Generaldirektorin des ORF. Danach war sie Beraterin für die Medicur-Holding und Geschäftsführerin von Epamedia. 2013 kandidierte sie für das Team Stronach, nahm ein Mandat als freie Abgeordnete an und legte dieses im November wieder zurück.

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