Listerien: Verschiedene Keime kamen voneinander unabhängig in Quargel

21. März 2014, 13:45
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Forscher der VetUni Wien untersuchten die Bakterienstämme, die zwischen 2009 und 2010 insgesamt 34 Erkrankungen und acht Todesfälle verursachten

34 Personen erkrankten in den Jahren 2009 und 2010 durch mit Listerien verseuchte Quargel aus der Steiermark, acht davon starben. Wissenschafter der Veterinärmedizinischen Uni Wien haben nun das Erbgut der beiden dafür verantwortlichen Bakterien-Stämme analysiert. Wie sie im Fachjournal "Plos One" berichten, haben die Stämme unterschiedliche Eigenschaften und sind unabhängig voneinander in den Betrieb gekommen.

Relativ hohe Sterberate 

Listerien sind allgegenwärtige Bakterien und üblicherweise unproblematisch. Es gibt aber eine Art (Listeria monocytogenes), die für Menschen gefährlich werden kann, wenn sie mit kontaminierten Lebensmitteln wie Rohmilch, Weichkäse, Räucherfisch, rohem Fleisch oder Fertigprodukten aufgenommen wird. Eine Listeriose äußert sich meist mit Durchfall und Bauchschmerzen. Je nach Bakterienstamm können auch andere Symptome auftreten. Bei immunschwachen oder älteren Menschen kann eine Infektion tödlich verlaufen.

"Es gibt zum Glück relativ wenige Fälle der Listeriose in Österreich. Wenn es allerdings zu einem Ausbruch kommt, hat die Erkrankung die höchste Sterberate unter allen lebensmittelbedingten Infektionen", erklärt Kathrin Rychli vom Institut für Milchhygiene an der VetUni. Das Institut war schon bei der Aufklärung der Ausbrüche 2009 und 2010 beteiligt.

Nun haben die Wissenschafter das Erbgut der beiden Bakterien-Stämme und deren Virulenz - also ihre Fähigkeit, eine Zelle zu infizieren - untersucht. Das Probenmaterial stammte von damals erkrankten Personen. Es zeigte sich, dass das Genom der beiden Stämme über weite Strecken sehr ähnlich ist, schreiben die Wissenschafter in der Arbeit. In Details gebe es aber deutliche Unterschiede. Und die beiden Stämme hätten sich nicht erst kürzlich aus einem gemeinsamen Vorfahren entwickelt.

Extrem virulent

Bei der ersten Kontamination (Juni 2009 bis Jänner 2010) trat ein Bakterienstamm auf, der speziell Epithelzellen des Darmes und Leberzellen infiziert und extrem virulent ist. Der Keim besitzt vier zusätzliche Virulenz-Gene und verursachte 14 Erkrankungen, davon fünf Todesfälle.

Im Dezember 2009 tauchte dann der zweite Keim auf, der vor allem Zellen des Immunsystems (Makrophagen) infizierte. Dieser ebenfalls sehr infektiöse Bakterien-Stamm löste allmählich den ersten Keim ab und infizierte bis zum Februar 2010 insgesamt 20 Menschen, von denen drei Personen verstarben. Die Studienergebnisse sollen helfen, Ausbrüche besser zu verstehen und Erkrankungen zu verhindern. (APA, derStandard.at, 21.3.2014)

Originalpublikation:

Genome Sequencing of Listeria monocytogenes "Quargel" Listeriosis Outbreak Strains Reveals Two Different Strains with Distinct In Vitro Virulence Potential

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