Studie: Megadämme meist unwirtschaftlich

22. März 2014, 15:39
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Die Errichtungskosten sind im Schnitt um 90 Prozent höher als das ursprünglich angepeilte Budget

Oxford/Wien - "Experten, die positive Vorhersagen über Megastaudämme machen, können in ,Dummköpfe' und ,Lügner' eingeteilt werden", sagt Bent Flyvbjerg. Das Urteil ist hart - dabei ist aber Flyvbjerg kein Vertreter einer radikalen NGO - sondern Professor an der Said Business School der Universität Oxford.

Die "Dummköpfe", das seien jene, "die Fakten und Unsicherheiten ignorieren und das Familiensilber beim Glücksspiel mit sehr geringer Aussicht auf Erfolg verwetten". Die "Lügner" seien hingegen jene, welche die Öffentlichkeit für privaten Profit "vorsätzlich in die Irre führen, indem sie überzogene Aussichten für ein Investment skizzieren - nur um es in die Gänge zu bringen".

345 Großstaudämme analysiert

Flyvbjerg beruft sich dabei auf seine neue Studie der Said Business School, bei der erstmals der wirtschaftliche Nutzen derartiger Großprojekte über Jahrzehnte hinweg analysiert wurde. Insgesamt wurden 345 Großstaudämme in 65 Ländern untersucht.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Demnach sind die Errichtungskosten der Megastaudämme im Schnitt um 90 Prozent höher, als die Budgets zum Zeitpunkt der Genehmigung vorhergesagt hatten. Und dieser Wert berücksichtigt nicht einmal die Inflation oder zusätzliche Kosten durch Schuldenrückzahlungen. Auch negative soziale Auswirkungen und Umweltkosten seien bei dieser Rechnung nicht berücksichtigt.

In 70 Jahren nichts gelernt

Die Analyse zeigt außerdem, dass die falschen, weil viel zu niedrigen Budgetansätze sich in den letzten 70 Jahren - für die genaue Daten existieren - keineswegs verändert hätten. Ein Beispiel: In Brasilien wurde bereits in den 1970er-Jahren der Itaipú-Damm errichtet. Das Projekt sprengte den angepeilten Budgetrahmen um sage und schreibe 240 Prozent - und belastete die Finanzen des Landes über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten. Und anstatt genug der dringend benötigten Elektrizität zu produzieren, wird der Megastaudamm voraussichtlich nie die Errichtungskosten wieder hereinbringen.

Und was passiert? Derzeit wird in Brasilien die Errichtung des höchst umstrittenen Belo-Monte-Staudamms vorangetrieben, bei dem aber schon jetzt klar sei, dass er sich wirtschaftlich nicht rechnen werde. Ein ähnlich "amnesisches Verhalten" beim Bau von großen Staudämmen würden derzeit auch Länder wie beispielsweise China, Indonesien und Pakistan an den Tag legen.

Positiv-Beispiele sind sehr selten

Die Befürworter für Megadämme würden allerdings meist auf die ganz seltenen Beispiele verweisen, bei denen die Rechnung aufging - wie etwa beim Hoover-Damm in den USA, ergänzt Co-Autor Atif Ansar. Würden die politischen Verantwortlichen aber das Wohlergehen ihrer Bürger im Auge haben, würden sie die großen Visionen der Megastaudämme besser ad acta legen. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 22.3.2014)

  • Wird gerne als Musterbeispiel für erfolgreiche Staudammprojekte genannt: Der Hoover-Damm.
    foto: ap/pablo martinez monsivais

    Wird gerne als Musterbeispiel für erfolgreiche Staudammprojekte genannt: Der Hoover-Damm.

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