Neue Hinweise: Auf der Venus brechen Vulkane aus

22. März 2014, 18:00
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Aktuelle Analysen von "Venus "Express"-Daten liefern gleich an drei Stellen Belege für aktiven Vulkanismus auf unserem Schwesternplaneten

So ähnlich die Venus unserer Erde auf den ersten Blick auch scheint, die Unterschiede könnten kaum größer sein: Der Atmosphärendruck entspricht auf Bodenniveau jenem in 900 Metern Meerestiefe. Temperaturen von über 450 Grad Celsius geben der Existenz von flüssigem Wasser keine Chance und eine 20 Kilometer dicke Wolkendecke aus Schwefelsäuretröpfchen macht die Untersuchung der Venusoberfläche zu einem schwierigen Unterfangen.

Die Bedingungen schränken das Forschungs-Instrumentarium empfindlich ein. Planetenforscher nutzen vor allem Radar, um Oberflächenstruckturen zu untersuchen. Infrarotteleskope sind ebenso wichtig. Die Wolkendecke lässt ausschließlich Infrarotstrahlung mit einer Wellenlänge von 1 Mikrometer passieren. Nun haben Planetenforscher mithilfe von solchen Infrarotmessungen eine Bestätigung für eine länger gehegte Vermutung entdeckt: Vulkanismus spielte nicht nur in der geologischen Vergangenheit der Venus eine Rolle

Aktuelle Daten der europäischen Sonde "Venus Express" lieferten die ersten direkten Anzeichen für aktuelle Lavaflüsse. Forscher um  Eugene Shalygin vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau haben gleich an mehreren Stellen signifikante Helligkeitsanstiege im Infrarotbereich gemessen.

Frühere Hinweise

Dass es auf der Venusoberfläche Vulkankrater, erstarrte Lavaströme und Grabenbrüche gibt, haben schon frühere Radar-Beobachtungen ergeben; einige der Lavaflüsse dürften mit etwa 250.000 Jahren zudem vergleichsweise jung sein. Doch erst vor kurzem lieferten Untersuchungen der Atmosphäre erste vage Hinweise auf aktiven Vulkanismus auf der Venus. Plötzliche Anstiege in der Schwefeldioxid-Konzentration könnten mit aktiven Feuerbergen erklärt werden, glauben die Wissenschafter. Ein direkte Nachweis von Vulkaneruption fehlte aber bislang.

Nun aber haben die Planetologen bei der Analyse von Daten aus dem Jahr 2008 etwas gefunden. Während zweier Umläufe registrierte die Venus Monitoring Camera der "Venus Express" an drei Stellen einen jähen Anstieg der Helligkeit im Infrarotbereich - und zwar um ein Vielfaches des ursprünglichen Wertes. Zudem fanden die Helligkeitsausbrüche im Grabenbruch-System Ganiki Chasman statt, was die Annahme stützt, dass es sich um Hinweise auf vulkanische Aktivität handelt. Ganz in der Nähe liegt der höchste Venus-Vulkan: der rund 8 Kilometer hohe Maat Mons.

Noch kann dies nicht als letztgültiger Beweis für aktiven Vulkanismus auf der Venus gewertet werden, doch die Wissenschafter konnten immerhin ausschließen, dass die Anstiege in der Infrarothelligkeit auf Messfehler oder Schwankungen der Wolkendichte zurückzuführen sind. In Zukunft wollen die Forscher um Shalygin an weiteren Stellen auf der Venusoberfläche nach ähnlichen Infrarot-Auffälligkeiten suchen. (red, derStandard.at, 22.03.2014)


Abstract

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  • Die künstlerische Darstellung der Venusoberfläche zeigt ein immer wahrscheinlicheres Szenario: Neue Infrarot-Untersuchungen lieferten Hinweise auf aktiven Vulkanismus auf unserem Schwersternplaneten.
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    Die künstlerische Darstellung der Venusoberfläche zeigt ein immer wahrscheinlicheres Szenario: Neue Infrarot-Untersuchungen lieferten Hinweise auf aktiven Vulkanismus auf unserem Schwersternplaneten.

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