Schimpanse attackierte Frau: Millionenklage gegen US-Bundesstaat

21. März 2014, 13:52
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Eine US-Amerikanerin, die vor fünf Jahren das Augenlicht und beide Hände verlor, verlangt 150 Millionen Dollar Schadenersatz

Im Jahr 2009 griff ein jahrelang als Haustier gehaltener Schimpanse eine Bekannte seiner Besitzerin im US-Bundesstaat Connecticut an. Das 90 Kilogramm schwere Tier fügte Charla N. schwere Verletzungen im Gesicht zu, sie verlor ihr Augenlicht und beide Hände.

Laut US-Medien kündigte das Opfer nun an, am Freitag ein offizielles Ansuchen auf eine Klage gegen den Bundesstaat einzubringen. Die heute 60-Jährige fordert 150 Millionen Dollar (rund 109 Millionen Euro) Schadenersatz, weil der Primat illegal gehalten worden sei und "durch seine Existenz die öffentliche Sicherheit gefährdet" habe.

Das zuständige Amt für Energie und Umweltschutz wäre laut einem Anwalt der Frau verpflichtet gewesen, den Schimpansen seiner Besitzerin zu entziehen. Laut einer Stellungnahme, die eine öffentlich bedienstete Biologin vier Monate vor dem Angriff an das Amt geschickt hatte, "war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Unfall geschieht". Der 14-jährige Schimpanse "Travis", der unter anderem in Werbespots für Coca-Cola zu sehen gewesen war, wurde bei dem Angriff von einem Polizisten erschossen.

Klage in erster Instanz abgewiesen

Nach gültigem Gesetz kann der Staat Connecticut nur geklagt werden, wenn der vorgeschaltete Rechtssausschuss die Erlaubnis dazu erteilt. Eine erste Klagsschrift hatte N. bereits im vergangenen Juni eingebracht. Damals wurde ihr Antrag abgelehnt, weil es zum Zeitpunkt des Vorfalls keine gültige Rechtsnorm gegeben habe, die das Halten eines Schimpansen untersagt hätte. Die nunmehrige Einreichung sei die letzte Möglichkeit auf eine erfolgreiche Behandlung der Klage.

In einem Zivilprozess hatte N. die bereits verstorbene Besitzerin des Schimpansen erfolgreich auf vier Millionen Dollar Entschädigung geklagt. Laut ihrer Sprecherin reicht dieser Betrag aber bei weitem nicht aus, die Kosten für die regelmäßigen Behandlungen zu decken.

"Ich fühle mich wie in einem Käfig"

N. lebt nach mehreren Operationen, darunter einer Gesichtstransplantation, in einem privaten Sanatorium in Massachusetts. Verpflanzte Hände mussten die Ärzte wieder entfernen, nachdem sie der Organismus abgestoßen hatte. Mit einem Teil der geforderten 150 Millionen Dollar will sie einen neuen Transplantationversuch finanzieren.

In einem siebenminütigen Video, das diese Woche an die Behörden des Staates erging, schildert die Frau ihren Alltag nach dem Angriff. "Ich fühle mich wie in einem Käfig. Es ist befremdlich, nicht mehr sehen oder seine Hände verwenden zu können und bei einfachen Dingen von der Hilfe anderer abhängig zu sein", sagte N. laut CNN.

"Während wir höchstes Mitgefühl mit Charla N. haben, glauben wir nicht, dass der Staat für ihre Verletzungen haftbar ist", sagte Jaclyn Falkowski, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft von Connecticut, gegenüber CNN. "Die Frage, ob der Staat verpflichtet ist, auf Privatgrund vor dem Angriff eines privat gehaltenen Tieres zu schützen, muss nach der gängigen Rechtspraxis verneint werden." (mcmt, derStandard.at, 21.3.2014)

  • Charla N. bei einer Anhörung im Jahr 2012.
    foto: jessica hill/ap/dapd

    Charla N. bei einer Anhörung im Jahr 2012.

  • In mehreren Operationen wurde das Gesicht der US-Amerikanerin rekonstruiert.
    foto: reuters/j. kiely, jr.,/lightchaser photography

    In mehreren Operationen wurde das Gesicht der US-Amerikanerin rekonstruiert.

  • Schimpanse "Travis" wurde während des Angriffs getötet.
    foto: the stamford advocate, kathleen o'rourke, file/ap/dapd

    Schimpanse "Travis" wurde während des Angriffs getötet.

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