Umfrage: Starkes Unbehagen der Österreicher bezüglich EU

21. März 2014, 09:21
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Für eine Mehrheit der Bürger ist die Mitgliedschaft "nicht wichtig" und brachte "eher Nachteile"

Wien/Linz - Zwei Monate vor der EU-Wahl am 25. Mai hat eine Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts IMAS ein starkes Unbehagen der Österreicher bezüglich der Mitgliedschaft in der Europäischen Union aufgezeigt: Für eine Mehrheit der Bevölkerung ist die Mitgliedschaft "nicht wichtig" und brachte "eher Nachteile", lautet das am Freitag veröffentlichte Ergebnis.

Jeder Zweite hat Vorbehalte

Konkret erklärten 24 Prozent der 1.008 statistisch repräsentativ für die Bevölkerung befragten Personen, die Mitgliedschaft in der EU sei "gar nicht wichtig". Zusammen mit den 26 Prozent, die sie als "nicht besonders wichtig" bezeichnen, ergibt das 50 Prozent, die Vorbehalte haben.

Ihnen stehen insgesamt 35 Prozent Befürworter gegenüber: 24 Prozent, die das gemeinsame Europa für "ziemlich wichtig" halten, und gar nur elf Prozent, die mit "sehr wichtig" votierten. Darunter befinden sich überdurchschnittlich häufig Männer, Personen mit höherer Bildung, Menschen aus urbanen Zentren und vor allem ÖVP- und Grünen-Sympathisanten. Als besonders unbedeutend schätzen vor allem FPÖ-Anhänger, Personen über 30 und Menschen mit geringerer Bildung die Zugehörigkeit zur EU ein.

Nachteile von Teuerung bis Kriminalität

Die Antworten auf eine weitere Frage machen klar warum: 41 Prozent sind überzeugt, dass der Beitritt Österreichs "eher Nachteile" gebracht hat. Nur 22 Prozent meinen: "eher Vorteile". Für Imas-Forscher Paul Eiselsberg kippt der Trend im Vergleich zu einer ähnlichen Erhebung aus dem Jahr 1994 "eher ins Negative". Im Gespräch mit derStandard.at nennt er Vergleichszahlen:So gaben damals noch 36 Prozent der Österreicher an, dass der EU-Beitritt für sie "eher Vorteile" gebracht habe, Kritik an spürbaren "Nachteilen" übten lediglich 28 Prozent. Eiselsberg erklärt sich das vor allem mit den "Erwartungshaltungen", die damals geschaffen, mittlerweile aber in "Enttäuschungen" gekippt seien.

Konkret werden als Nachteile vor allem eine Verteuerung durch den Euro, der zu starke Einfluss von Brüssel, eine steigende Kriminalität, die Zuwanderung und weiters Zahlungen für finanzschwache Mitgliedsstaaten sowie den Rettungsschirm genannt. An der Spitze der von den Befragten angeführten Vorteile stehen die einheitliche Währung, der freie Personenverkehr sowie die guten wirtschaftlichen Möglichkeiten. Nur fünf Prozent nennen die Friedenspolitik und die Vermeidung von Kriegen in Europa spontan als zentralen Aspekt der EU.

"Stereotype Vorstellungskraft gegenüber EU"

Die Meinungsforscher stellten bei ihrer Umfrage fest, dass von Gegnern und Befürwortern der EU am häufigsten jeweils nur ein Argument für die eigene Meinung geliefert wird. Je ein Drittel nennt zwei Gründe, nur ein Fünftel kann drei oder mehr Aspekte für seine Einstellung anführen. Das ist für sie ein Hinweis auf ein "offensichtlich nicht besonders tiefes Meinungsbild, sprich eine relativ stabile stereotype Vorstellungskraft gegenüber der EU, die aber mit relativ wenig Kenntnis- und Informationsstand unterfüttert wird". Eiselsberg: "Wenn jeder Zweite nur ein Argument nennt, dann geht es hier wohl eher um eine Grundbefindlichkeit."

Die Gruppe von Befragten, die eine "sehr feste" oder "ziemlich feste" Absicht haben, an der Wahl am 25. Mai teilzunehmen, umfasst 42 Prozent. Denen stehen 41 Prozent gegenüber, deren Absicht zu den Urnen zu gehen "nicht besonders fest" oder "überhaupt nicht fest" ist. Dazu kommen noch 17 Prozent, die zu der Frage keine Angabe machten. Die Beteiligung an der Wahl 2009 lag noch bei 46 Prozent. (APA, riss, 21.3.2014)

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