Wallraff erwirkt wegen Stasi-Vorwürfen einstweilige Verfügung

25. August 2003, 13:04
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Gegen Springer-Verlag - Zeitungen dürfen Schriftsteller nicht mehr als "Stasi-IM" bezeichnen

Der Schriftsteller Günter Wallraff hat wegen der Stasi-Vorwürfe gegen ihn eine einstweilige Verfügung gegen den Axel-Springer-Verlag erwirkt. Wie Wallraffs Rechtsanwalt Helmuth Jipp mitteilte, verfügte das Landgericht Hamburg, dass dem Verlag unter Androhung eines Ordnungsgeldes verboten wird, Wallraff als "Stasi-IM" zu bezeichnen. Die Zeitungen "Die Welt" und "Berliner Morgenpost" veröffentlichten am Mittwoch eine Gegendarstellung des Schriftstellers.

Die einstweilige Verfügung wurde am Dienstag vom Landgericht Hamburg erlassen. Bei Zuwiderhandlung droht dem Verlag ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro. Die zum Axel-Springer-Verlag gehörenden Blätter hatten vorige Woche berichtet, dass eine neu aufgetauchte Karteikarte Wallraff als ehemaligen aktiven Mitarbeiter der Auslandsspionage der DDR ausweise (etat.at berichtete). Wallraff hatte den Bericht als "Rufmord" zurückgewiesen.

"Reine Hetzjagd"

Der Autor erklärte nun, es handle sich nicht um journalistische Aufklärung, sondern eine "reine Hetzjagd". Eine Woche lang habe er "in Form von Totschlagzeilen blanken Hass und statt notwendiger historischer Aufarbeitung hysterischen Vernichtungswillen" gespürt. Er betonte, dass auch Journalisten der "Welt" den Kontakt zu ihm gesucht hätten und ihm ihre Solidarität bekundet hätten.

Mit der in der "Welt" und der "Morgenpost" abgedruckten Gegendarstellung weist Wallraff die Vorwürfe erneut zurück. "Ich habe mich zu keiner Zeit gegenüber dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit zur Lieferung von Informationen bereit erklärt oder diesem Informationen gegeben", schreibt Wallraff. Die von der Zeitung erwähnten Berichte und Informationen für das Ministerium stammten nicht von ihm. (APA/AP)

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