Delfin-Therapie für Autisten

25. August 2003, 11:44
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Italien schickt Schiff mit Experten auf die Suche nach geeigneten Tieren - freilebenden, um nicht die Delfine selbst unglücklich zu machen

Rom - Delfine im ligurischen Meer sollen autistischen und deprimierten Menschen mit einer neuen Therapieform helfen. Ab September wird ein Schiff mit Experten die Suche nach Delfinen aufnehmen, die für die eine "Delfintherapie" eingesetzt werden können. Diese versucht mit dem Einsatz der Meeressäuger Behinderten, vor allem Autisten, aber auch depressiven Menschen in ihrer Entwicklung weiter zu helfen. Die Tiere müssen in einer artgerechten Umgebung leben und speziell dafür ausgebildet werden.

Erfolgreiche Therapie

Die Therapie hat bis heute in mehreren Aquarien der Welt positive Resultate gebracht. Im Meerespark der Cinqueterre unweit der ligurischen Stadt La Spezia wollen Experten jetzt erstmals frei lebende Delfine bei der Behandlung von Autisten einsetzen. Die Suche nach den passenden Tieren wird unter der Leitung eines Teams von Biologen, Trainern und Psychologen beginnen. "Wir wollen uns ohne viel Medienrummel auf die Suche machen", betonte der Präsident des Meeresparks, Franco Bonanini.

Bisher wurden für die Delfintherapie ausschließlich Tiere in Aquarien eingesetzt. Doch viele der in Gefangenschaft lebenden Tiere sind unglücklich und garantieren bei der Therapie nicht immer die Leistungen ihrer frei lebenden Artgenossen. Daher wollen die Forscher freie Delfine im Meerespark der Cinqueterre suchen. "Wir sind auf die Idee gekommen, weil das ligurische Meer fantastisch ist und viele Delfine darin leben. Warum sollen wir uns nicht mit den Tieren anfreunden und dabei Jugendlichen und Kindern helfen, die von diesen Säugetieren profitieren können?", so Bonanini.

"Niemals Gefangene"

Die Delfintherapie wurde in den achtziger Jahren von zwei Wissenschaftern der Universität Florida entwickelt. Das Projekt im Meeresraum der Cinqueterre wurde von Paolo Nardone und Federica Buchicchio entwickelt, zwei Psychotherapeuten und Experten in Wassertherapie. Den Wissenschaftern zufolge profitieren vor allem Autisten von der Begegnung mit Delfinen. Der Kontakt mit den Säugetieren holt viele Autisten aus ihrer Isolierung. Die Therapie nutzt die natürliche Vorliebe der Delfine für das Spiel aus. Die Amerikaner meinen auch, dass die Therapie auch bei der Behandlung von Depressionen Wunder wirkt.

Das Projekt in Ligurien wird vom italienischen Umweltministerium finanziert. Viele Angehörige junger Autisten haben sich bereits mit den Verantwortlichen des Meeresparks der Cinqueterre in Verbindung gesetzt. "Die Wissenschafter werden sich mit den Säugetieren anfreunden, die niemals Gefangene sein werden", versicherte Bonanini. "Wir wollen die Natur respektieren, aber auch jenen Menschen helfen, die von den fantastischen Kreaturen des Meeres profitieren können", so der Leiter des Parks.(APA)

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