Voest: Betriebsrat kündigt "härteste Aktionen" an

20. August 2003, 18:04
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"Menschenkette" vom Linzer Werk bis zum Landhaus: "Bundesregierung sekkiert uns"

Linz - Die Diskussion um die weitere Privatisierung der voestalpine ging am Mittwoch weiter. Der Betriebsrat des Unternehmens führte am vormittag am Standort Linz eine Luftballonaktion durch und kündigte dabei weitere, massive Protestaktionen an: Unter anderem eine "Menschenkette" vom Werk bis zum Landhaus, auch von einer Besetzung der Westautobahn war die Rede. Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider (S) informierte bei der Aktion, dass für Mittwoch-Nachmittag eine Sondersitzung der Oberösterreichischen Landesregierung zum Thema Voest-Privatisierung angesetzt sei.

Die Belegschaftsvertretung schickte insgesamt 10.000 rote Luftballons auf den Weg. An ihnen war eine Karte befestigt. Damit solle die Bevölkerung aufmerksam gemacht werden, dass die Lage durch die Privatisierungspläne der Bundesregierung der voestalpine "sehr ernst" sei. Wer die Karte findet und zurücksendet kann die Teilnahme an einer Werksführung gewinnen.

"Private wollen nicht investieren"

Der Vorsitzende des Konzernbetriebsrates Helmut Oberchristl sprach sich erneut gegen eine völlige Privatisierung des Unternehmens aus. Die Vorkommnisse in den USA und Großbritannien zeigten, dass Private nur an der Verzinsung ihres eingesetzten Geldes interessiert seien, Investitionen würden nicht durchgeführt. Das führe zu einem Sicherheitsrisiko. Es gebe keinen besseren Unternehmer als den Staat, wenn sich dieser zu einer vernünftigen Industriepolitik bekenne, Standorte nicht verkaufe und Übernahmen sowie Zerschlagungen verhindere. In Frankreich und Deutschland habe man sich auch zum Staat als Kernaktionär bekannt.

Oberchristl stellte zum Rücktrittsangebot von voestalpine Generaldirektor Franz Struzl fest, er akzeptiere diese "persönliche Entscheidung, wenn er glaubt dass es nimmer tragbar für das Unternehmen ist und ich glaube, dass ihm das Unternehmen sehr wichtig ist". Er sei nicht erfreut darüber, weil Struzl die letzten 36 Jahre "hervorragende Arbeit" geleistet habe. Menschlich könne man einmal einen Fehler machen, es habe aber keine Verurteilung gegeben. Der Betriebsrat kritisierte, dass Struzl "hingerichtet" werde und sogar seine Familie angegriffen werde. Er vermutete eine "politisch gesteuerte Aktion". Jetzt sei wichtig, dass es einen klaren Übergang in der Voest gebe.

"Bundesregierung sekkiert uns"

Der Vorsitzende des Angestelltenbetriebsrates Fritz Sulzbacher verwies im Zusammenhang mit dem Voest-Verkauf auf das Beispiel der VA Tech, deren Anteile "in Sekundenschnelle an neue Eigentümer verkauft wurden, die man bis jetzt noch nicht kennt". "Wir machen Superergebnisse, wenn es nicht in Wien die Bundesregierung gibt, die uns täglich sekkiert", argumentierte er gegen einen Verkauf. Zur Luftballonaktion stellte er fest, die Voest werde sich nicht in Luft auflösen, aber das sollte die Bundesregierung möglichst rasch tun. Für den Fall, dass der Verkauf nicht gestoppt werde, kündigte er "die härtesten Aktionen" an: "Wir werden uns auf die Westautobahn stellen, damit wir ganz Österreich zeigen, was los ist, wenn man den Voestlern etwas antut". Für den 4. September kündigte er eine Menschenkette vom Werk bis zum Landhaus als Protest gegen den Verkauf an.

Der SPÖ-Landesvorsitzende Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider nahm ebenfalls an der Ballonaktion teil. Er sagte den Voest-Mitarbeitern seine volle Unterstützung zu und informierte, es gebe Mittwochnachmittag eine Sondersitzung der Landesregierung. Dabei werde er dafür eintreten, dass sie bei der Bundesregierung den Verkaufsstopp durchsetze.(APA)

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