Ärzte-Arbeitszeiten: Schlafende Verhandler

Kommentar20. März 2014, 18:35
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Dass die EU-Kommission kürzere Ärztedienste einmahnt, könnte den seit 2011 eingeschlafenen Verhandlungen den nötigen Schwung verpassen

Müsste man in Brüssel jemandem erklären, was eine österreichische Lösung ist - das heimische Ärztearbeitszeitgesetz böte sich als Paradebeispiel an. Der Sozialminister will die Arbeitszeit hinunterschrauben, scheitert aber an den Ländern. Die großen Spitalserhalter fürchten die hohen Kosten für zusätzliche Ärzte. Dann wiederum basteln sich die Länder teilweise eigene Gesetze, die sich zumindest in Richtung EU-Konformität bewegen. Eine bundesweite Regelung fehlt aber nach wie vor.

Dass die EU-Kommission diese jetzt einmahnt, könnte den seit 2011 eingeschlafenen Verhandlungen den nötigen Schwung - oder Druck - verpassen. Dennoch hat der Sozialminister ein Mammutprojekt vor sich. Selbst wenn die Länder einsehen sollten, dass an der Einhaltung der EU-Arbeitszeitrichtlinie kein Weg vorbeiführt, sind da immer noch die Ärzte. Die Kammer fordert zwar kürzere Arbeitszeiten, wohl aber nur in Kombination mit höheren Grundgehältern. Und da werden wiederum die Länder aufjaulen.

Sollte sich übrigens irgendjemand mal die Mühe machen, diese Angelegenheit aus Patientensicht zu betrachten, dann sind deutlich kürzere Arbeitszeiten der einzig logische Weg. Wer will schon von einem Chirurgen operiert werden, der seit 30 Stunden im Dienst ist? Schlaf kann unter Umständen Leben retten. Es ist beschämend, dass die EU mit Klage drohen muss, damit darüber in Österreich auch nur verhandelt wird.(Andrea Heigl, DER STANDARD, 21.3.2014)

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