Vorarlberg sucht Strategien gegen Armut

20. März 2014, 18:29
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Armutskonferenz fordert Landespolitik heraus

Bregenz - In die Vorarlberger Armutsdiskussion kommt Bewegung. Nachdem die außerparlamentarische Armutskonferenz für Donnerstag erneut zur Pressekonferenz geladen hatte, reagierte Landesrätin Greti Schmid (ÖVP) und lud zur ersten Sitzung der Armutsplattform.

Ende April sollen Vertreter von Sozialeinrichtungen und Sozialpartnern eine "Armutsstrategie" speziell für Frauen und Kinder und Vorschläge zur Armutsprävention erarbeiten. Der Sprecher der Armutskonferenz, Michael Diettrich, hält die Einberufung der Plattform für grundsätzlich positiv, "obwohl ich mir vor der Landtagswahl keine großen Durchbrüche erwarte". Wahltermin ist am 21. September.

Die Armutsgefährdung, die laut Armutsbericht der Landesregierung mit 14,7 Prozent (50.000 Menschen) höher als erwartet ist, würde auf absehbare Zeit nicht sinken, sagt Diettrich. Grund dafür sei das geringe Wirtschaftswachstum, der schleppende Gang bei der Bildungsreform und der Abbau von Arbeitsplätzen für Geringqualifizierte.

Zweithöchste Gefährdung

In Vorarlberg, wo die Arbeitsgefährdung nach Wien am höchsten ist, leiden vor allem Frauen unter prekären Lebenssituationen. Alleinerziehende (63 Prozent sind armutsgefährdet), Haushalte mit drei oder mehr Kindern und alte Frauen sind die drei am stärksten betroffenen Kategorien.

Die Landesregierung müsse ihre Familienpolitik ändern und die existenzsichernde Berufstätigkeit von Frauen fördern, fordert die Armutskonferenz. Noch sehe man Frauen als Zuverdienerinnen. Das Kinderbetreuungsangebot entspreche nicht den Bedürfnissen berufstätiger Frauen. Teilzeitarbeit räche sich spätestens im Alter, wenn Pensionszeiten nicht reichten.

Erste Ansätze, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, zeige die Landesregierung. Es fehle bei der Bekämpfung von Armut aber an Plan und Strategie, kritisiert Diettrich. (jub, DER STANDARD, 21.3.2014)

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