Kettenöl im Blut: Die gute Fahrradlektüre

1. April 2014, 17:03
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Zwölf große Reportagen zu zwölf großen Fahrradthemen finden sich im Sammelband des deutschen Radkultur-Magazins "fahrstil"

Etwa 30 Betriebe für den Fahrrad-Rahmenbau haben sich in der gut 500.000 Einwohner-Stadt Portland im US-amerikanischen Bundesstaat Oregon niedergelassen. Sie bauen fast ausschließlich in Stahl. Für seine Diplomarbeit recherchierte Gerolf Meyer vor Ort, um die Zusammenhänge von regionaler Geisteshaltung, Stadtentwicklung und der Etablierung eines Fahrradmanufaktur-Clusters herauszufinden.


Foto: Gerolf Meyer

Allgemeine Wertschätzung ist eine Voraussetzung für den hohen Stellenwert, den das Fahrrad in Portland genießt. Vorreiterin ist die Stadtverwaltung. Sie arbeitet offensiv daran, das Fahrrad als attraktives Transportmittel im Verkehrsalltag zu verankern. Wie das konkret funktioniert und wie sich der Alltag der Rahmenbauer in Portland gestaltet, ist in der Geschichte "Wenn das Gute liegt so nah" nachzulesen, die im Sammelband des Magazins "fahrstil" enthalten ist.

Seit vier Jahren widmet sich das deutsche Radkulturmagazin dem Fahrrad und dem damit einhergehenden Lebensgefühl in all seinen Erscheinungsformen – vom Alltagsradeln über Radsport, Fahrraddesign, ökologische Aspekte, Geschlechterverhältnisse, Wetterbedingungen, Fahrradsammlungen bis hin zur Fahrradtransportlogistik.

Der in diesem Frühling erschienene Sammelband enthält jeweils einen Beitrag aus den bisherigen zwölf Ausgaben und ist exklusiv über Amazon.de zu beziehen.


Foto: Kay Tkatzik

Ebenfalls mit dabei im Dutzend Radkultur: ein Lokalaugenschein in der großzügigen Zweizimmer-Wohnung von Reiner (Bild oben), der dort - und in seinen zwei Kellern - viele, viele Fahrräder sammelt. Und das nicht im musealen Sinn, sondern er benutzt sie auch: "Ich bin sehr mutig, ich fahre Konstruktionen auch dann, wenn sie nicht besonders vertrauenerweckend aussehen", sagt Reiner.

Gunnar Fehlau stattete dem 2012 verstorbenen britischen Meisteringenieur Sir Alex Moulton einen Hausbesuch ab, H. David Koßmann führte ein Interview mit Peter Horsch, Begründer der Single-Speed-Community in Deutschland - inklusive unterhaltsamer Anleitungen zum Singlespeed-Umbau.

Dramatische Einblicke in die Gruppendynamik mittelalter Rennradfahrer ermöglicht Marbod Jaeger. Lennart Selling berichtet über seinen Selbstversuch bei Schnee, Eis und Minus neun Grad Celsius Außentemperatur: Gänzlich unvorbereitet bestritt er ein 200-Kilometer Brevet.

Downhill-Koryphäe Frank "Schneidi" Schneider offenbart, wann ihm "der Arsch auf Grundeis" geht. Peter Barzel unternimmt eine ökologische Einordnung der Gummiteile am Fahrrad, und Andrea Reidl stellt Frauen der Welt und ihre Räder vor (vgl. Bild unten).


Foto: Fahrräder für Afrika e.V.

Der Fahrstil-Sammelband ist laut Herausgeber Gunnar Fehlau "ein ideales Geschenk für alle, die Kettenöl im Blut haben." Dem ist nichts hinzuzufügen, außer, dass es sich unbestritten um vielfältiges und nachhaltiges Fahrrad-Lesevergnügen handelt. (Eva Tinsobin, derStandard.at, 1.4.2014)

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