"Popcorn Time": Piraten-Netflix als Hommage an legale Anbieter

20. März 2014, 15:14
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Warum sich die Filmindustrie vom Filesharing-Dienst geschmeichelt fühlen kann

Popcorn Time ist angetreten, Serien und Filmen für Jedermann kostenlos anzubieten. Dabei orientierte man sich an legalen Streamingangeboten.

Das wird durch die Kombination mehrerer Features ermöglicht: Filesharing-Dateien via Bittorrent werden für den Inhalt herangezogen, "on demand" verfügbar gemacht und mit dem Abruf von Filmcovern oder Untertiteln verbunden. Das Ergebnis ist ein – auch für den technisch unbedarften Nutzer – funktionaler und hübscher Dienst. Wegen des Drucks von Seiten der Filmindustrie wurde der Service zwischenzeitlich abgeschaltet.

Filmindustrie erstmals in besserer Situation

Im Digitalblog der Süddeutschen Zeitung geht man der Frage nach, warum sich die Filmindustrie aber auch erstmals in einer besseren Situation befindet als die Piraterie-Konkurrenz.

So wird das starke Angebot des Vorzeige-Streamingdienstes "Netflix" genannt. Dieser ist laut einer Studie in den USA bereits für fast ein Drittel des gesamten Downloadvolumens verantwortlich. In Europa liegt die Rate schon bei etwa 20 Prozent. Netflix erwirtschaftet riesige Gewinne und ist neben dem Anbieter zum Produzenten geworden. Etwa der Serie "House of Cards".

Legale Alternativen gefragt

Netflix zeige, wie Videostreaming funktionieren müsse. Daher ist die Idee hinter Popcorn Time für die Filmindustrie in Zukunft zwar gefährlich, vor allem aber als eine Hommage an Netflix zu sehen. Betrachtet man etwa die enormen Gewinne und die breite Akzeptanz von Netzflix und ähnlichen Streamingdiensten, wird deutlich: Eine große Zahl von Nutzern ist  gegen eine angemessene Gebühr zunehmend bereit, legale Alternativen zu nutzen.

Massiver Druck von Seiten der Industrie

Allerdings ist das vorzeitige Verschwinden von Popcorn Time vorrangig dem juristischen Druck von Seiten der Filmindustrie geschuldet. So schreiben die Entwickler des Dienstes in ihrem Abschiedsstatement: "Wir haben (…) gelernt, dass man einen Preis zahlen muss, wenn man gegen eine rückwärtsgewandte Industrie antritt. Diesen Preis sollte niemand zahlen müssen, egal in welcher Art und in welcher Form."

Nachahmer

Zwar beugten sich die Macher von Popcorn Time schließlich, ließen es sich aber nicht nehmen, den Source-Code öffentlich zugänglich zu machen. Damit war es nur eine Frage der Zeit, bis der Dienst weitergeführt wurde. Aktuell ist Popcorn Time wieder funktionsfähig. Die vermeintlichen neuen Betreiber distanzieren sich jedoch und verweisen zugleich darauf, was das grundsätzliche Problem für die Industrie ist, ein solches Angebot gänzlich zu stoppen: "Es ist ein durch die Community vorangetriebenes Projekt, das nicht von Einzelnen betrieben oder gepflegt wird." (red, derStandard, 20.3.2014)

  • Aktuelle Filme wie "The Wolf of Wallstreet" werden gerne gestreamt
    foto: ap/mary cybulski

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  • Popcorn Time

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