„Diversity statt Zuwanderung“

31. März 2014, 16:15
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Was fehlt noch, damit Zuwanderung in Österreich endlich entproblematisiert wird? Die Expertenrunde zeigt sich mit den Rahmenbedingungen zufrieden, mit der Übersetzung in den Alltag weniger

Vor zehn, 20 Jahren haben Migranten mit akademischer Berufslaufbahn in ihren Heimatländern in Österreich dann Regale geschlichtet, Böden gewischt, sagt Ali Mahlodji, selbst Kind solcher persischen Migranten und heute mit seiner Jobplattform Watchado Unternehmer, dazu EU-Jugendbotschafter, Begleiter des auch für Integration zuständigen Sebastian Kurz. „Da sind wirklich Barrieren abgebaut worden - wie es auf der Straße abgeht, ist eine andere Geschichte.“

Strukturell und formal habe sich in puncto Integration viel getan, stimmt die Runde zu. Für Franz Wolfmair, Geschäftsführer des Integrationsfonds, geht es jetzt um die Schaffung des im Regierungsübereinkommen in Aussicht gestellten Anerkennungsgesetzes: „Dann haben wir wirklich die Voraussetzungen, um Mehrwert auch sichtbar zu machen und einzubringen.“ Obwohl, lobt er die Plattform www.berufsanerkennung.at: Im wissenschaftlichen Bereich funktioniere die Anerkennung der Qualifikationen von Migranten schon recht gut.

Es wird besser

Ob Integrationsbotschafterinnen auch in der Fläche angekommen seien, fragt Petra Gregorits, Marktforscherin, Unternehmensberaterin und von ihrer Herkunft burgenländische Kroatin mit NGO-Erfahrung. „Beim Großteil der Bevölkerung nicht so, wie es sollte“, antwortet der Rektor der FH des bfi, Andreas Breinbauer. Er hat Mobilität von Hochqualifizierten als einen Forschungsschwerpunkt. Die Makroansätze für ein fruchtvolles Miteinander sogenannter Einheimischer und Migranten seien „super, aber noch nicht ausreichend diffundiert“. Die Akteure an der entscheidenden Basis - an den Schulen - seien jahrelang alleingelassen worden mit der Migrationsthematik, hätten viel zu wenig Unterstützung bekommen. Er attestiert Besserung, fordert aber stärkeres Ansetzen in den primären Ausbildungsstätten zwecks besserer Integration ein.

Ob die Erfahrungen mit „anderen“ positiv verlaufen oder behaftet mit negativen Klischees blieben, das sei wohl oft auch zufallsabhängig je nach Situation, so Gregorits. Ja, so Breinbauer, aber: „So etwas wie eine Willkommenskultur gibt es eigentlich nicht.“

Mahlodji spaltet noch ein Stückchen mehr: Ja, in der schönen neuen Welt entscheide die Qualifikation über Zugang und Integrationschance im Zielland - tatsächlich seien es abseits aller Regelwerke doch immer Menschen (und ihre Ängste), die etwa Personalentscheidungen treffen.

Dass gern vereinfachend übersehen wird - auch in Elitediskursen, merkt Breinbauer an -, wie heterogen die Gruppen sogenannter Migranten sind, erschwere die Auflistung noch anstehender Herausforderungen. „Warum reden wir dann nicht gleich von Diversity statt von Zuwanderung?“, fragt Petra Gregorits.

Damit leitet sie zu positiven Wirkkräften über, die die Migrations- und Zuwanderungsthematik auf die nächste Ebene heben: Die demografische Kurve, der Fachkräftemangel, der Innovationsbedarf - diese Argumente der Wirtschaftlichkeit rücken Diversität zunehmend in den Fokus, ist sie überzeugt. Das erleichtere wohl auch die Auseinandersetzung miteinander, bringe mehr Freiräume in der Gesellschaft, damit mehr Zugang zu Verschiedenheit.

Breinbauer: „Wir brauchen keine neuen, tollen Konzepte. Was wir brauchen, ist, Bestehendes wirklich zum Leben zu bringen.“ Da wird Mahlodji geduldig: „Das dauert eben Jahre, bis diese Öffnung sich wirklich durchsetzt, von heute auf morgen geht das nicht.“ (kbau, DER STANDARD, 22./23.3.2014)

  • Beraterin Petra Gregorits, Ali Mahlodiji (Watchado), Franz Wolfmair (Integrationsfonds), Andreas Breinbauer (FH des bfi).
    foto: christian fischer

    Beraterin Petra Gregorits, Ali Mahlodiji (Watchado), Franz Wolfmair (Integrationsfonds), Andreas Breinbauer (FH des bfi).

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