Falsche Darstellung in den Medien schädigt psychisch Kranke

20. März 2014, 12:28
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Psychosen und Schizophrenie werden in den Medien oft als "dämonisch" dargestellt - Betroffene sind jedoch viel häufiger Opfer von Gewalt als Täter

Falsche "Bilder" von den Kranken schädigen psychisch kranke Menschen, erklärten Fachleute bei einer Pressekonferenz in Wien. "Das 'Böse' ist nicht therapierbar. Der Wilderer vom vergangenen Jahr war ganz sicher kein Schizophrener", sagte Georg Psota, Chefarzt der Psychosozialen Dienste in Wien. In den meisten Fällen, in denen bei Gewalttaten vorschnell vom "irren Täter" die Rede sei, treffe das nicht zu.

Eher Opfer als Täter

Auch wenn Film, Fernsehen und Boulevardjournalismus diese Stereotype ständig transportieren, laut dem Wiener Psychiater Thomas Stompe (Klinische Abteilung für Sozialpsychiatrie am AKH Wien) sehen die Fakten ganz anders aus: "Schwere Delikte sind bei Menschen mit Psychosen zwar häufiger - bei Männern sechs- bis zehnmal, bei Frauen sieben- bis 19-mal öfter. Doch die Schizophrenie ist eine vergleichsweise seltene Erkrankung mit 0,5 bis einem Prozent unter der Bevölkerung." Daher wirke sich diese Gruppe sehr gering auf die Kriminalitätsstatistik aus.

Umgekehrt sind Menschen mit Schizophrenie speziell gefährdet, Opfer von Gewalt, Benachteiligung, Stigmatisierung und Missbrauch zu werden. Etwa jeder achte Obdachlose leidet an einer psychotischen Erkrankung. "Die Mortalität von Schizophrenen steigt deutlich an. Sie sterben durch Suizid elf Mal häufiger als andere Menschen, durch Unfälle zwei Mal öfter", sagt Stompe. Schizophrene seien auch viel häufiger von Kriminalität wie physische Attacken, Raub und Vergewaltigung betroffen.

Angstmache der Medien

Am ehesten von einem Risikopotenzial für schwere Delikte könne man nur bei einer sehr kleinen und recht gut zu definierenden Gruppe von Patienten sprechen: Bei ihnen kommen vor allem Alkoholmissbrauch und andere Faktoren hinzu. Doch darauf nimmt die Öffentlichkeit mit ihren Vorurteilen nur selten Rücksicht. "Es geht um Bilder in den Köpfen. Man kann die Auflage steigern, man kann Angst machen", sagt der Wiener Psychiater Hans Schanda.

Dabei würde einfach auf falsche Schemata gesetzt. "Sehr betrüblich ist, wenn da gleich die psychiatrische Diagnose aufgrund eines Ereignisses gemacht wird", warnte Schanda. Der "offensichtlich irre Feuerteufel" habe dann eine Brandstiftung begangen. Aus Schweden gibt es epidemiologische Untersuchungen, wonach ohne alle Schizophrenie-Erkrankungen die Gewaltdelinquenz um fünf Prozent sinken würde. "Ob zu den Osterfeiertagen schönes oder schlechtes Wetter herrscht, beeinflusst die Todesstatistik via Straßenverkehr mehr", so Schanda.

Mehr Behandlunsgplätze nötig

Umgekehrt sinkt die Häufigkeit von Delikten bei Menschen mit Psychosen in Behandlung in etwa auf jene bei psychisch Gesunden. Ein Problem liegt naturgemäß darin, dass nicht alle Betroffenen die Einsicht zur Behandlungsbedürftigkeit haben beziehungsweise in ihrer Situation haben können.

Zu fragen sei allerdings, so Psota, ob Österreich genug für psychisch Kranke tue: "Österreich hat 140 niedergelassene Fachärzte für Psychiatrie mit Kassenpraxis." Zum größten Teil infolge von schweren Depressionen kommen in Österreich jährlich doppelt so viele Menschen durch Suizid um als durch Verkehrsunfälle. "Wir haben unzählige Maßnahmen gegen den Tod durch Verkehrsunfälle, möglicherweise geschieht zur Verhütung von Suiziden durch Depressionen aber nicht ganz so viel."(APA, derStandard.at, 20.3.2014)

  • Die Darstellung von psychotischen Menschen in Film und Fernsehen - im Bild Alfred Hitchcocks "Psycho" von 1960 - entspricht nur in den seltensten Fällen der Realität.
    foto: david gray/reuters

    Die Darstellung von psychotischen Menschen in Film und Fernsehen - im Bild Alfred Hitchcocks "Psycho" von 1960 - entspricht nur in den seltensten Fällen der Realität.

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