Bio Austria und Grüne schäumen wegen "Bio-Förderkürzung"

20. März 2014, 14:32
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Grüner Agrarsprecher: Kürzungen von 75 Prozent drohen - Ministerium versucht zu beruhigen - Erinnerung daran, dass Fördervolumen insgesamt erhöht werden soll

Wien - Die Biobauern würden wegen des neuen Entwurfs zum Agrar-Umweltprogramm ab 2015 nicht wie zuletzt demonstrieren, sondern "jubeln". Das sagte Agrarminister Andrä Rupprechter (ÖVP) bei der Verkündung einer entsprechenden Grundsatzeinigung vorige Woche. Dem ist aber nicht so: Sowohl die Bauern von Bio Austria als auch die Partei der Grünen schäumen wegen einer "Bio-Förderkürzung", die sie fürchten.

Zwar soll es insgesamt für Biobetriebe zu Förderungen kommen, die jene aus der vergangen (bzw. derzeit noch laufenden) Periode um 12 Prozent übersteigen, betonte der ÖVP-Bauernbund gestern und gestanden auch die Grünen heute ein. Für die Oppositionspartei gibt es aber ein sehr großes aber: "Es geht um die konkreten Prämien für einzelne Betriebe und da drohen in Einzelfällen Kürzungen von 75 Prozent und im Durchschnitt von bis zu 30 Prozent", sagten Grünen-Chefin Eva Glawischnig und Grünen-Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber am Donnerstag vor Journalisten. Eine Rupprechter-Sprecherin war vorerst nicht erreichbar.

Pirklhuber: "Trauerspiel"

Pirklhuber sprach von einem "Trauerspiel", dass der Minister am Gängelband des Bauernbundes hänge. "Rupprechter soll Chef im eigenen Haus werden." Zum Plus von 12 Prozent komme es, weil die "Kürzungen 'sophisticated' (ausgeklügelt, durchdacht, Anm.) sind". Künftig wird, wie es der Minister zuletzt ausdrückte, "viel stärker auf Kreislaufwirtschaft mit Viehbezug Bedacht genommen".

"Das heißt mehr Tier mehr Geld", so Pirklhuber. Es komme zu einer uneinheitlichen Förderung von Biobauern daher. "Der Bauernbund argumentiert nur mit scheinbaren Bioargumenten, natürlich ist Tierhaltung ein Teil der Kreislaufwirtschaft. Aber am grünsten sind Ackerfeldfutterkulturen. Diese werden bisher mit 285 Euro pro Hektar gefördert; künftig sollen es nur mehr 70 Euro pro Hektar sein - das ist ein Minus von 75 Prozent."

Biobauern: "Schädigung der Biolandwirtsschaft"

Ähnliche Kritik kam am Donnerstag vom Obmann der Biobauern-Interessensvertretung Bio Austria, Rudolf Vierbauch. Nach derzeitigem Stand drohten der Biolandwirtschaft massive Kürzungen. Vierbauch erinnerte wie auch die Grünen bei ihrer Pressekonferenz daran, dass es im Regierungsprogramm heiße, die Biolandwirtschaft solle gestärkt werden.

Der Bauernbundvorschlag schiebe das Argument vor, dass damit die Kreislaufwirtschaft gefördert werde. So würde die durch die "politisch willkürlich festgelegte Prämienhöhe verursachte Schädigung der Biolandwirtsschaft" schöngeredet. "Demnach würden die Abgeltungen für die Leistungen der Biobauern im Grünland bis zu 26 Prozent und auf Ackerflächen bis zu 37 Prozent gekürzt. Für Feldfutter auf Marktfruchtbetrieben ergeben sich sogar Kürzungen von 75 Prozent", schreibt Vierbauch in seinem Brief heute an Rupprechter.

Bauernbund: "Verzerrte Darstellung"

Der Bauernbund ließ bereits gestern wissen, dass es die beschriebene Steigerung von 12 Prozent gebe. Bei den Aussagen Pirklhubers handle es sich um eine "verzerrte Darstellung", so Bauernbundpräsident Jakob Auer.

Ministerium versucht zu beruhigen

"Das Fördervolumen für die biologische Landwirtschaft wird insgesamt erhöht", reagierte das Landwirtschaftsministerium heute auf die Kritik. Auf die Befürchtungen, es gebe in gewissen Fällen Kürzungen von bis zu 75 Prozent, wurde aber vorerst nicht eingegangen.

"Der Bio-Landbau ist selbstverständlich auch Thema bei der heute stattfindenden Landes-Agrarreferenten-Konferenz, in der die Maßnahmen und deren Dotierung konkretisiert werden sollen." Zudem seien die begleitende Maßnahmen geplant. Etwa soll es Zuschläge bei der Investitionsförderung geben und flankierende Maßnahmen wie die Absatzförderung blieben bestehen. (APA, derStandard.at, 20.3.2014)

 

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