Grazer Forscher identifizierten Regulator für Zelltod bei Lymphomen

20. März 2014, 12:09
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Verminderter Transkriptionsfaktor NR4A1 bedingt aggressiveren Krankheitsverlauf - Überexpression kann hingegen Tumorzellen absterben lassen

Graz - Grazer Wissenschafter sind einem Schlüsselprotein auf die Spur gekommen, das den Zelltod bei Lymphomen regulieren kann. Die Forschungsgruppe der Medizinischen Universität Graz konnte nachweisen, dass der Transkriptionsfaktor NR4A1 Tumorzellen zum programmierten Zelltod (Apoptose) treibt, wie sie im Fachmagazin "Blood" beschreiben.

Schwere Krankheiten wie Krebs können mit Störungen im programmierten Zelltod zusammenhängen. Während bei Krebserkrankungen früher häufig von einer unkontrollierten Zellvermehrung ausgegangen wurde, ist heute klar, dass bei der Mehrzahl der Tumore die sogenannte Apoptose, also das Absterben von Zellen, gestört ist. Dieser programmierte Zelltod ist ein lebensnotwendiger Prozess, der im Normalfall dafür sorgt, dass geschädigte, alte und nicht mehr benötigte Zellen abgebaut werden.

Einfluss auf Apoptose-Neigung

Das Team um Peter Neumeister und Alexander Deutsch widmet sich der Erforschung von Tumoren, die sich aus den Zellen des Lymphgewebes - sogenannten Lymphomen - entwickeln können. Bereits 2012 konnten sie zeigen, dass der Transkriptionsfaktor NR4A1 die Apoptose-Neigung von Lymphomzellen maßgeblich beeinflusst. Dieses spezielle Protein gehört zu Gruppe der Kernrezeptoren (nukleäre Rezeptoren, NR), die im Zellkern vorkommen. Durch die Bindung eines Liganden sind Transkriptionsfaktoren in der Lage, an DNA zu binden und die Regulation komplexer genetischer Programme im Körper zu übernehmen.

Es stellte sich heraus, dass die reduzierte Expression von NR4A1 und NR4A3 bei Patienten mit aggressiven Lymphomen mit schlechten Überlebensraten in Zusammenhang stehen. "Speziell ein niedriger NR4A1-Gehalt in der Tumorzelle bedingt einen wesentlich aggressiveren Krankheitsverlauf", beschreibt Alexander Deutsch nunmehr ein zentrales Ergebnis der jüngsten Forschung.

Nun ist es den Forschern mittels Gentransfer von NR4A1 in die Tumorzelle gelungen, die Lymphomzelle in den programmierten Zelltod zu treiben. Weiters wurden Substanzen identifiziert, welche im Zellversuch den NR4A1-Spiegel auf ein höheres Niveau heben und somit die Apoptose bei den entarteten Zellen starten. Nun scheint auch eine medikamentöse Steuerung des Tumorzelltode möglich: "Im Modell konnte durch eine künstliche Anhebung des zellulären NR4A1-Gehalts im Lymphdrüsentumor bereits ein Tumorzelltod ausgelöst werden", berichtete Deutsch. (APA, 20.3.2014)

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