Zelten: Sundowner & Schneewüten

25. März 2014, 16:58
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Dass wir so gerne draußen schlafen, kann unterschiedliche Gründe haben. Zwei Autoren über ihre Erfahrungen - in der Komfortzone und im Schneesturm

Das Schlimmste ist immer der Morgen danach. Wenn jeder Knochen einzeln wehtut und man die müden Glieder kaum aus dem klammen Schlafsack bekommt. Schiene nicht schon die Sonne so gnadenlos auf die Zeltplane - ach! - man drehte sich nochmals zur Seite, um den Nachtschlaf nachzuholen, den das verdammte Insekt mit seinem Gesurre und so weiter.

Wer sagt denn, dass Camping heute noch so aussehen muss? Das sind doch nur schlimme Erinnerungen an ewig lange Ferienlager, zu denen man wider Willen verpflichtet wurde. Heute ist Camping ganz anders. Luxuriös, glamourös - deswegen heißt es jetzt auch Glamping. Sofort haben wir Podeste aus Mahagoni vor unserem geistigen Auge (natürlich Fair Trade!), Baldachine aus Seidenstoffen, die leise in der sanften Brise flattern, die das Camp zart umweht. Nur nicht zu stark, sonst weht es ja die feinziselierten Windlichter von den Beistelltischchen, auf den unsere Sundowner in der Dämmerung ruhen! Träge nippen wir ab und zu aus den Gläsern, und schon werden erste Appetithäppchen gereicht.

Noch ist es zu heiß, um wirklich an Essen zu denken. Aber bald schon sind die gestärkten Leinentücher auf die Tische gebreitet, die da am Rande der Savanne zu einer festlichen Tafel arrangiert werden. Vom Boden muss keiner mehr essen bei dieser neuen Art des Campings, auch die klapprigen Klapptischchen und der elende Gaskocher dürfen zu Hause bleiben. Keine Ravioli aus der Dose mehr! Hier wird vom Feinsten gespeist, und das mit Messer und Gabel.

Sie, die schon alles gesehen haben, die schon überall waren - Nizza von oben, die Niagarafälle von unten -, sie fühlen sich hier eins mit der Natur - aber auf hohem Niveau. Wer sagt denn, dass die Wildnis immer so schrecklich unbequem daherkommen muss? Zum Am-Boden-Schlafen sind wir jetzt wirklich zu alt! Aber die Betten in diesem Fünf-Sterne-plus-Camp sind wirklich ausgezeichnet, auch für bürogeplagte Rücken. Darauf Kissen in allen Farben, und wie es duftet! Wenn nur bloß nicht dieser eine Moskito ... (Tanja Paar, DER STANDARD, Rondo, 21.3.2014)

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Natürlich ist es nicht lustig, um drei Uhr früh wachgewatscht zu werden. Und wenn die Watsche von der Zeltwand kommt, macht das die Sache nicht besser: 80 konstante Stundenkilometer Windgeschwindigkeit hatte das Ding verkraftet - aber die Böen (angeblich knapp 150 km/h) waren halt heftig. Ja, die Vorfreude, sich aus dem Schlafsack zu schälen und die wohlweislich mit in den Sack genommenen Innenskischuhe nun in steifgefrorene Hartschalen zu stopfen, war groß: Jetzt rausgehen zum Pinkeln im Schneesturm? Okay, andere Menschen haben echte Probleme.

Dass in 3000 Metern Höhe im Hochwinter der Schneesturm kommen würde, haben wir gewusst. Wieso also taten wir nicht, was wir noch am Vorabend „das Schlaueste" genannt hatten: ein richtig platziertes Schneeloch oder halt eine Höhle, ein Biwak oder einen Iglu zu bauen?  All das wäre nicht nur komfortabler und kuscheliger gewesen, sondern auch sicherer als jedes Zelt. Nur war das Testen von Zelten eben der offizielle Grund, hier heroben zu sein: Wie wenig Hülle ist heute genug? Beim Aufstieg, beim Klettern zählt jedes Kilo - vor allem das, welches man nicht schleppt.

Doch auch wenn wir fluchten: Bessere Testbedingungen kann man nicht haben. Denn wir zelten ja nicht, um zu campen: Seine Zelte aufzuschlagen ist Mittel zum Zweck. Und dieser Zweck heißt Berg. Oder Powder. Komfort ist da immer ein Kompromiss - und stark überschätzt: Matte, Schlafsack, Biwaksack, Loch im Schnee, Kerze - für eine Nacht reicht das völlig. Für mehrere Tage wird es dann halt das Zelt. Klein. Leicht. Kompakt.

Aber sonst? Ich will ein solides Dach. Feste Wände. Ein weiches Bett - und ganz wichtig: eine heiße Dusche. Man nennt den Ort, wo es das gibt, „Haus". Gern auch „Hotel". Im Optimalfall hat eines der beiden Fenster, die zum Berg zeigen. Aber wenn wir das nächste Mal dorthin aufbrechen, bleibt alles, was draußen entbehrlich ist, wo wir dann nicht mehr sind: drinnen. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, Rondo, 21.3.2014)

Weiterlesen: Glamping im Oman

  • Wüste oder Schnee? Das sind nur zwei von vielen Fragen, wenn man herausfinden will, welcher Campingtyp man ist.
    foto: corbis / braden gunem

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