Rauch-Kallat: "Bei mir hätte die Logik schneller eingesetzt"

19. März 2014, 19:29
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Verbandspräsidentin attackierte Paralympics-Cheftrainer Hujara scharf nach Protest in Sotschi

Sotschi - Manuel Hujara, Alpin-Cheftrainer von Österreichs Behindertensportlern, hat sich am Mittwoch enttäuscht über das Verhalten von Verbandspräsidentin Maria Rauch-Kallat geäußert. Diese hatte bei den Paralympics in Sotschi Hujara hart kritisiert, weil dieser einen - letztlich erfolglosen - Einspruch gegen die Wertung einer deutschen Athletin eingelegt hatte.

"Zutiefst enttäuscht bin ich jedoch über das Verhalten unserer eigenen ÖPC-Präsidentin, die sich offensichtlich, ohne ebenfalls die genaue Sachlage zu kennen, gegen das eigene Team, respektive gegen meine Person entschied", schrieb Hujara in einer Aussendung. "Im Leistungssport gibt es strikte Reglements, diese Regeln sind für alle gleich anzuwenden."

Hujara hatte nach der Disqualifikation gegen den Österreicher Philipp Bonadimann im Slalom der Super-Kombination wegen eines "fliegenden Starts" geglaubt, im Slalom der sitzenden Damen einen ähnlichen Regelbruch bei der Deutschen Anna Schaffelhuber entdeckt zu haben. Aufgrund des österreichischen Protests wurde Schaffelhuber disqualifiziert, durfte nach einem Gegenprotest aber mit umgedrehter Startnummer zum zweiten Lauf antreten, ihre Zeit geheim gehalten. 24 Stunden nach dieser grotesken Situation erhielt die Deutsche dann Gold, am Ende war sie fünffache Goldmedaillen-Gewinnerin.

Bonadimann blieb hingegen disqualifiziert. Rauch-Kallat hatte den österreichischen Protest und nicht zuletzt Hujara verurteilt. "Es war eine falsche Logik, die den Cheftrainer geleitet hat. Bei mir hätte die Logik schneller eingesetzt", sagte sie damals. Ihm sei bei einer versuchten Aussprache sogar mit Konsequenzen gedroht worden, erklärte Hujara nun.

Auch der Behindertenskisport wird prinzipiell nach der Internationalen Wettkampfordnung (IWO) des Internationalen Skiverbandes FIS abgewickelt. Alle elf rot-weiß-roten Medaillen in Sotschi gingen auf das Konto der von Hujara und Co. gecoachten Alpinen.

Er habe seitdem nur positive Reaktionen bekommen, betonte Hujara nun. Der Schwiegersohn des Langzeit-Chefrenndirektors im alpinen Herren-Ski-Weltcup, Günter Hujara, beharrt darauf, dass in Sotschi Entscheidungen bar jeder Regelgrundlage getroffen worden seien. Ihm gehe es aber vorrangig um Gleichbehandlung.

"Weder Philipp noch Anja haben damals eine Regelverletzung begangen. Ich freue mich, dass Anja dann fahren durfte", betonte Hujara gegenüber der APA. In der Kritik standen damals deshalb vor allem die Funktionäre des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC). "Ich bin jetzt in erster Linie stolz auf unsere Sportler und Betreuer", betonte Hujara. (APA, 19.3.2014)

  • Maria Rauch-Kallat, Präsidentin des Österreichischen Paralympischen Committee, schießt scharf gegen Alpin-Cheftrainer Hujara.
    foto: apa/neubauer

    Maria Rauch-Kallat, Präsidentin des Österreichischen Paralympischen Committee, schießt scharf gegen Alpin-Cheftrainer Hujara.

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