Briten halten an Sparkurs fest

19. März 2014, 18:11
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Wachstumsprognose deutlich nach oben korrigiert

London - Mit gezielten Hilfen für Sparer, Exporteure und Investoren will die konservativ-liberale Koalition die Wirtschaft in Großbritannien auf ein solideres Fundament stellen. Allerdings müsse auch in den nächsten Jahren die Haushaltskonsolidierung oberste Priorität genießen, sagte Finanzminister George Osborne am Mittwoch bei der Vorstellung seines Jahresbudgets im Unterhaus. "Es wird mehr Einsparungen geben." Aus der Finanzkrise schleppt die Insel noch immer ein Haushaltsdefizit von 6,6 Prozent nach, die Zentralbank warnt vor neuerlicher "exzessiver Risikobereitschaft" bei Privatkonsumenten und Kasinobankern.

Zufrieden verglich Osborne das zuletzt robuste Wachstum mit anderen westlichen Industrienationen: "Großbritannien wächst schneller als Deutschland, Japan und die USA", sagte der Konservative. Allerdings erreicht die Insel erst in diesem Sommer das gleiche Bruttoinlandsprodukt (BIP) wie vor der Finanzkrise 2008. Darauf spielte Labour-Oppositionsführer Edward Miliband an, als er in seiner Erwiderung auf Osborne sagte: "Die arbeitende Bevölkerung ist unter den Tories schlechter dran als zuvor." Den Umfragen zufolge liegen die Sozialdemokraten ein Jahr vor der nächsten Unterhauswahl um fünf Prozent vor der konservativen Regierungspartei. Die rasante Verbesserung der Wirtschaftsdaten hat die Stimmung in der Bevölkerung bisher kaum verändert.

Über Erwartungen

Vor Jahresfrist lag die Prognose der Unabhängigen Budgetbehörde OBR für 2013 bei lediglich 0,6 Prozent Wachstum, vorläufigen Zahlen zufolge wuchs die Wirtschaft dreimal so schnell. Für 2014 ist jetzt von 2,7 Prozent die Rede. Allerdings wies der Konservative ausdrücklich auf Risiken hin, etwa in Folge der Krim-Krise. Sparer und Investoren erhalten von April an erheblich größere Freibeträge, zudem werden auf jährlich ausgezahlte Privatrenten keine Gebühren mehr erhoben.

Berufstätige Eltern bekommen höhere staatliche Zuschüsse für die Kinderbetreuung. Ein Hilfsprogramm für Immobilienkäufer wird bis 2020 ausgedehnt. Zudem gilt vom kommenden Steuerjahr an ein Freibetrag von 10.500 Pfund (etwa 12.540 Euro). Ausdrücklich machte sich Osborne diese Entlastung, die auf Druck des kleinen liberalen Koalitionspartners zustande kam, für die gesamte Regierung zueigen: "Ich bin sehr stolz darauf." (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, 20.3.2014)

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