Platten und Pixel à la Mondrian

19. März 2014, 18:13
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"Universal Pixels and Music Listening Stations" heißt Angela Bullochs Ausstellung in der Galerie Kerstin Engholm: eine Schau, die Besucher zum Verweilen verführen will

Wien - Üblicherweise laden Galerien kaum zum Verweilen ein - das hängt etwa auch damit zusammen, dass man sich dort oft wie auf dem Präsentierteller fühlt.

In der Galerie Kerstin Engholm hat die in London und Berlin lebende Künstlerin Angela Bulloch diesem Gefühl jedoch von vornherein entgegengewirkt: Bereits durch die Schaufenster sieht man bodenlange Vorhänge, die im ansonsten offenen Raum eine kleine, "private" Oase bilden. In der mit ein paar Hockern bestückten Music Listening Station (Yellow) lädt die Künstlerin (geb. 1966) zum exklusiven Musikhören von Platten des offenbar kunstaffinen Musiklabels Pan Records; neben der Musik von Künstlern wie Florian Hecker oder Mark Leckey erschien dort auch Experimentelles von Jar Moff oder Lee Gamble. Die Wände zieren die grafisch allesamt überzeugenden Cover des Labels.

Auch wenn Schallplatten nicht unbedingt als "modernistisches Leitmedium" (Angela Bulloch) betrachtet werden, ist doch unübersehbar, dass die Künstlerin hier immer wieder auf die Ästhetik der Moderne anspielt - sei es mit den geschwungenen, an die Glaspavillons eines Mies van der Rohe erinnernden Vorhängen oder auch mit den Neonröhren und schwarzen Bändern, mit denen sie ihre Pixel à la Flavin oder Mondrian überarbeitet hat.

Eigentlich wurde Bulloch bereits um die Jahrtausendwende mit ihren würfelartigen, auf Mechanismen der Bildproduktion anspielenden Kuben bekannt, die in Anlehnung an digitale Bilder in RGB-Farben aufleuchteten. Gleichzeitig passen die poppigen Kuben aber auch fabelhaft in das schicke Ambiente, in dem außerdem ihre Sternbilder für Perspektivenwechsel sorgen. Bulloch hat die Bilder mit einem Computerprogramm erstellt, das den Sternenhimmel vom Merkur oder vom Pluto aus zeigt. Das ist visuell nicht so überraschend, aber schließlich geht es mehr um das Gesamtbild, das inklusive des elektronischen Sounds sehr verführerisch ist. (Christa Benzer, DER STANDARD, 20.3.2014)

Bis 7. 5.

Galerie Kerstin Engholm

Schleifmühlgasse 3, 1040 Wien

  • Hinter gelben Vorhängen findet man in einer öffentlich zugänglichen Galerieausstellung eine Form von Privatheit: Musikstation von Angelo Bulloch.
    foto: galerie engholm

    Hinter gelben Vorhängen findet man in einer öffentlich zugänglichen Galerieausstellung eine Form von Privatheit: Musikstation von Angelo Bulloch.

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