Wutbriefverkehr

Einserkastl19. März 2014, 18:11
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Düringer gibt der Wut eine Stimme. Spindelegger hat begriffen, dass es besser wäre, das nicht zu ignorieren

Roland Düringer, der bekannte Kabarettist und Schauspieler, hat einen Brief an Finanzminister Michael Spindelegger geschrieben und prompt eine Antwort bekommen.

Hier korrespondieren zwei Welten. Spindelegger ist sozialisiert im katholischen Verbindungsmilieu und in dem des niederösterreichischen ÖAAB; ein routinierter Verwalter, der sich plötzlich im Auge eines politisch-finanziellen Orkans wiederfindet. Düringer konnte mit seiner Sechszylinder-Faszination (Benzinbrüder) Riesensäle unter Dampf halten, brach im ORF in eine "Wutrede" auf Politiker, Banken, Medien, das Ausbildungs- und Gesundheitssystem aus und bekehrte sich dann zur Askese (kein Handy, kein Fernseher, keine Fernreisen). Düringer will von Spindelegger wissen, warum die Hypo so viel Geld kostet, wer schuld ist, ob das nicht anders gegangen wäre. Spindelegger sagt, anders wäre es zu riskant gewesen, "einfache Lösungen" seien verlockend, aber leider oft nur ein noch ärgerer Betrug.

Es ist alles sehr kompliziert. Aber Düringer versucht, einem verbreiteten Gefühl der Wut eine Stimme zu geben, und Spindelegger oder irgendwer in seinem Stab hat begriffen, dass es besser wäre, das nicht zu ignorieren.

Düringers Brief endet übrigens so: "Falls Ihnen bei Gelegenheit Herr Faymann über den Weg läuft, sprechen Sie ihn bitte darauf an und versuchen Sie, auch ihn auf die Seite des Volkes zu ziehen." (Hans Rauscher, DER STANDARD, 20.3.2014)

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