Wiener Bezirksvorsteher: Mehr als ein Grüßaugust

Kommentar19. März 2014, 18:10
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Für Personalrochaden in Wiener Bezirken ist es keinen Tag zu früh

Mariahilf und Floridsdorf, zwei Wiener Bezirke, zwei Welten. Diesseits der Donau: Ein urbanes Bobohausen mit etwa 30.000 Bewohnern, rot-grüne Kampfzone. Jenseits der Donau: Fast 150.000 Bezirksbewohner, das ist anderswo in Österreich schon eine Großstadt; und ein Match um ehemalige rote Kernklientel, die sich zunehmend zu den Freiheitlichen hingezogen fühlt.

Beide Bezirke bekommen nun junge, neue Bezirksvorsteher, die wesentlich mehr sein können als ein Grüß-August. Je ohnmächtiger sich Bürger gegenüber der "großen" Politik fühlen, gegenüber den Milliardenbeträgen, mit denen da jongliert wird, desto wichtiger wird das, was sich vor der eigenen Haustür abspielt. Die Bürgerbefragung zur Mariahilfer Straße ist dafür das beste Beispiel: 68,1 Prozent Beteiligung. Bei der letzten EU-Wahl waren es in den Bezirken Mariahilf und Neubau weniger als 50 Prozent.

Old-School-Politiker

Gerade SP und VP, die die Bevölkerung in ihrer Breite ansprechen wollen, sollten persönliche Befindlichkeiten hintanstellen, wenn es um ihre Basis-Personalwahl geht. Döblings VP-Bezirksvorsteher Adi Tiller mag in seinem Grätzel eine Legende sein – aber ist ein fast 75-jähriger wirklich der ideale Kandidat in einer wachsenden, jünger werdenden Stadt? Und diese Old-School-Politiker gibt es auch in Rot. Es braucht neue Politik-Übersetzer, das kann und muss ein Bezirksvorsteher sein. Eineinhalb Jahre vor der Wien-Wahl ist es für solche Rochaden keinen Tag zu früh. (Andrea Heigl, Der Standard, 20.3.2014)

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