Rote Rochaden in Bobo- und Betonbezirk

19. März 2014, 18:00
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Mariahilf und Floridsdorf bekommen neue Bezirksvorsteher. Doch längst nicht in allen Bezirken herrscht Aufbruchstimmung

Wien - Ein "echter Generationenwechsel", wie ihn die Mariahilfer Noch-Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann (SP) nannte, bringt mitunter nervösen Politnachwuchs mit sich. Markus Rumelhart, Jahrgang 1975 und Kaufmanns designierter Nachfolger, bat am Mittwoch vor Journalisten um Verzeihung dafür, dass er sich an das Sprechen vor vielen Menschen erst gewöhnen müsse. Kaufmann versuchte, es ihm leichter zu machen, indem sie ihm Rosen streute: Rumelhart sei ihr Wunschkandidat für die Nachfolge gewesen. Nach der Bürgerbefragung, die pro Umgestaltung der Mariahilfer Straße ausging, hatte Kaufmann vor knapp zwei Wochen ihr Amt überraschend zurückgelegt.

Rumelhart, der am 30. April angelobt werden soll, wuchs in Floridsdorf auf und wohnt seit etwa zehn Jahren in Mariahilf. Er engagierte sich vor allem sozialpolitisch, so war er bisher Sucht- und Drogenbeauftragter des Bezirks. Rumelhart ist nun der jüngste in der roten Bezirksvorsteher-Riege - und außerdem der erste bekennende Homosexuelle in dieser Funktion. Bei der Bezirksvertretungswahl, die im Herbst 2015 ansteht, hat Rumelhart in Mariahilf 37,1 Prozent für die SP zu verteidigen. Der Bezirk gilt traditionell als rot-grüne Kampfzone.

Match mit den Blauen

Ein Generationenwechsel erfolgte am Mittwoch auch in Floridsdorf, wo Heinz Lehner fast 20 Jahre lang roter Bezirksvorsteher war. Sein Nachfolger Georg Papai, Jahrgang 1973, leitete bisher die Organisationsabteilung der Wiener SP. Er hat nun nicht nur fast 150.000 Bezirksbewohner zu betreuen; besonders in den Flächenbezirken wird die rote Klientel von der FP umworben.

Schon im Frühjahr 2013 haben Karlheinz Hora und Gerald Kubik quasi Platz getauscht - nämlich jenen des roten Verkehrssprechers im Gemeinderat mit der Bezirksvorstehung in der Leopoldstadt, die nunmehr Hora innehat. Die Margaretner haben seit März 2013 mit Susanne Schaefer-Wiery eine neue Bezirksvorsteherin, und im Liesinger Amtshaus löste Gerald Bischof 2012 Manfred Wurm ab.

Für weitere Rochaden wird die Zeit bis zur Wahl allmählich knapp, ein Lokalpolitiker will schließlich gut eingeführt sein in seinem Gebiet. Längstdienende rote Bezirksvorsteher sind derzeit Erich Hohenberger (Landstraße, seit 1989) und Hermine Mospointner (Favoriten, seit 1994).

Gegen Adi Tiller sind sie freilich immer noch Jungspunde. Der 74-jährige Schwarze hat in Döbling 1978 den Roten die Mehrheit abgejagt - und seither seinen Sessel nicht mehr verlassen. Längst nicht alle in der VP sind glücklich über sein Langzeitwirken, was ihn freilich nicht davon abhält, 2015 noch einmal zu kandidieren.

Schwarze Konstanten

Als Adi Tiller schon Bezirksvorsteher war, kam Veronika Mickel gerade zur Welt. Sie eroberte 2010 für die VP die Josefstadt, in der sich die Grünen untereinander zerrieben hatten. Lange Zeit war sie die einzige schwarze Bezirksvorsteherin, die sich nicht im Pensionsalter befand. Mit Silke Kobald gibt es seit Sommer 2013 im Amtshaus Hietzing junge Verstärkung. Offen ist, ob der Währinger Bezirkschef Karl Homole noch vor der Wahl 2015 abdankt. Die umstrittenste Figur in den schwarzen Reihen bleibt City-Chefin Ursula Stenzel. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, es habe sich einfach noch niemand in der Volkspartei getraut, der 68-Jährigen zu sagen, sie möge doch vor 2015 abtreten. Also macht sie unverdrossen weiter.

In Neubau ist seit 2001 Thomas Blimlinger Bezirksvorsteher, seit 2010 ist er der einzige Grüne in dieser Rolle. Nach derzeitigem Stand der Dinge soll er auch 2015 wieder ins Rennen gehen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 20.3.2014)


Kommentar von Andrea Heigl: Mehr als ein Grüßaugust

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    foto: newald
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