Gelddrucker: Einblick in die wundersame Welt der Briefkastenfirmen

19. März 2014, 18:04
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Im Prozess gegen die Banknotendrucker sagte die Chefin der Venkoy aus, über die Schmiergeld geflossen sein soll

Wien - Der Auftritt von Zeugin Erika R., die für ihre Aussage im Wiener Straflandesgericht "mit dem Nachtzug und ohne Schlaf" aus Zürich angereist war, brachte ein wenig Farbe in den Prozess um die Gelddruckerei. Mit Müh und Not schaffte es die alte, rothaarige Dame mit der E-Mail-Adresse "Tiger Lily" um neun Uhr in den Großen Schwurgerichtssaal. Nachdem sie die Sicherheitsschleuse aufgeregt, unter Abgabe ihrer Parfumfläschchen und "trotz Platins in der Hüfte" (R.) passiert hatte.

Unter Anklage stehen Ex-Gelddruckerei-Manager, zwei Anwälte und der Ex-Aufsichtsrats- und -Vizechef der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Wolfgang Duchatczek. Ihnen wird vorgeworfen, Schmiergeld für Aufträge in Aserbaidschan und Syrien bezahlt zu haben bzw. Beihilfe dazu. Es geht zudem um Bilanzfälschung und Bildung einer kriminellen Vereinigung; angeklagt sind auch Gelddruckerei (OeBS) und Münze Österreich. Zwei Ex-Geschäftsführer und eine Managerin haben gestanden; es gilt die Unschuldsvermutung.

Panamaisch

Dank R. ("Oh Gott, ich weiß gar nicht, wer da sitzt", beantwortete sie die Frage, ob sie mit Angeklagten verwandt oder verschwägert sei) bekamen die Zuhörer einen Einblick in die wundersame Welt der Briefkastenfirmen. Konkret in jene der panamaischen Venkoy ("Es heißt panamaisch, nicht panamesisch", klärte R. Richter Georg Olschak auf), über die die Gelder weitergeleitet wurden und deren Präsidentin R. war. Venkoy gehörte Ex-Anwalt Friedrich F., er und sein Freund Anwalt Nikolaus A. (beide haben mitverdient) waren R.s Kontaktleute.

Kurz zur Erinnerung: Die OeBS schlug die Provisionszahlungen auf ihren Preis für die Druckaufträge auf; die "Überzahlung" soll via Venkoy an aserische und syrische Entscheidungsträger rund um die dortigen Notenbanken zurückgeflossen sein. In Wien wurde die Venkoy offiziell als Dienstleisterin für Aufträge dargestellt.

R., die bis zu dessen Tod für einen Schweizer Anwalt gearbeitet und dessen Funktionen übernommen hat, saß in Vorständen von Briefkastenfirmen in Panama, Liechtenstein, Zug und Zürich. "Ich habe die Gesellschaften selbst errichtet, nach sechs Wochen hatten wir die Dokumente. Das geht so schnell", erklärte sie mit einem Fingerschnipsen.

Verdienstquelle für alle

Ihre Arbeit für Venkoy war schnell beschrieben. Aus Wien habe sie die Verträge bekommen, ferner die Rechnungen geschrieben und die Anweisungen von den beiden Anwälten erfüllt, "wohin ich das Geld weiterleiten soll". Was denn Inhalt der Verträge, die sie gegengezeichnet hat, gewesen sei? R.: "Ich nehme an, dass es Provisionen für die Vermittlung von Banknotendruck-Aufträgen war", so R. Wozu es die Venkoy gebraucht habe? "Damit auch die etwas verdient", antwortete R., die Anwalt F. seit rund 40 Jahren kennt.

Wien besuchte R. zweimal; 2007 und 2009. Während in Protokollen festgehalten wurde, was da alles an Geschäftlichem besprochen wurde, handelte es sich laut R. um "ein Mittagessen und eine Gelddruckerei-Besichtigung". Ob inhaltlich zu Aserbaidschan und Syrien gesprochen wurde, wollte der Richter von der Schweizerin wissen. "Es wurde vor allem gegessen", meinte die. Man habe ihr den Stephansdom gezeigt, Sachertorte gegessen, "und, ja, einmal waren wir beim Heurigen" . Der zweite Besuch sei ähnlich verlaufen: "Mittagessen, aber ohne Besichtigung".

Darstellungen, sie sei in Geheimdienstaktivitäten verstrickt, habe KPÖ-Treuhänderin Fini Steindling gekannt und einst beim Russischen Nationalzirkus gearbeitet, bestritt R. "Um Himmels willen, ich war beim Schweizer Nationalzirkus Knie, mit 19." Ihre Aussage in Zürich, da habe "jemand Mist gebaut und mich benutzt", die halte sie aufrecht. Sprach's, kramte ein großes Kuvert aus ihrem Gepäck und übergab das ihrem alten Geschäftsfreund F. "Ich habe noch Post für ihn", erklärte R. dem staunenden Publikum, und machte sich auf, heim nach Zürich. (Renate Graber, DER STANDARD, 20.3.2014)

  • Die Banknotendruckerei zahlte Provisionen via Briefkastenfirma Venkoy. Deren Chefin R., laut eigener Erzählung einst "Tiger Lily" genannt, sagte nun vor Gericht aus.
    foto: cremer; montage: seywald

    Die Banknotendruckerei zahlte Provisionen via Briefkastenfirma Venkoy. Deren Chefin R., laut eigener Erzählung einst "Tiger Lily" genannt, sagte nun vor Gericht aus.

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