Anzeichen eines Tauwetters zwischen China und Vatikan

19. März 2014, 17:50
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Vatikanstadt ist der einzige europäische Staat, mit dem China keine diplomatischen Beziehungen hat

Kurz vor Antritt seiner ersten großen Europareise, die Chinas Staatschef Xi Jinping vom 22. März bis 1. April in vier EU-Länder, darunter am 28. und 29. März nach Deutschland führt, kommt ein indirekter Willkommensgruß für Xi auch aus dem Vatikan. Er ist der einzige europäische Staat, mit dem China keine diplomatischen Beziehungen unterhält. Der symbolträchtige Wink an Xi ging von Papst Franziskus aus, mit dessen Vorgängern Pekings Führung noch niemals irgendwelche Freundlichkeiten austauschte. In einem Interview des Corriere della Sera wählte Franziskus nun bedachte Worte zur Beziehung zu China: "Wir sind China nahe. Ich habe dem Präsidenten Xi Jinping einen Brief geschrieben, als er gewählt wurde, drei Tage nach mir. Und er hat mir geantwortet. Es gibt einige Beziehungen. Es ist ein großes Volk, das ich liebe."

Unzensierte Glückwünsche

Hongkonger Zeitungen, wie die Peking nahestehende Wen Wei Po, entdeckten jetzt die scheinbar nebenbei gemachte Bemerkung. Die Wen Wei Po druckte sie am Mittwoch unter der Überschrift: "Xi Jinping antwortet dem Papst. Das Eis bricht vielleicht noch dieses Jahr." Im Internet verbreitete sich die Nachricht unzensiert. Die Briefe, die der Papst und Xi im März 2013 austauschten und in denen sie sich zu ihrer jeweiligen Wahl beglückwünschten, sind weder von Rom noch von Peking 2013 bekannt gemacht worden. Der Ehrenpräsident der staatstreuen katholischen Kirche Liu Bainian bestätigte, er habe von dem Brief des Papstes gehört. Er nannte ihn eine freundliche Geste und er sei dem Papst dafür dankbar. Eine Verbesserung der Beziehungen liege ganz in der Hand des Vatikans. Chinas Politik habe sich nicht geändert.

Chinesische Medien haben wiederholt über den neuen Papst Franziskus, seine Herkunft, sein Engagement für soziale Fragen und für die Armutsbekämpfung und besonders über seinen Lebensstil positiv berichtet.

Verfolgte Untergrundchristen

Chinas Katholiken sind seit der Gründung der Volksrepublik gespalten in eine papsttreue Kirche, deren Untergrundbischöfe von Peking brutal verfolgt wurden und vielfach noch in Haft sind und eine staatstreue, sogenannte selbstverwaltete Kirche, die ihre Bischöfe selbst wählt und ernennt. Einstige Aussöhnungsbemühungen für die Bischofsfrage durch sogenannte Doppelanerkennungen scheiterten immer wieder, sowohl am Misstrauen Pekings gegenüber dem Vatikan als auch an den von Chinas Behörden fortgesetzten Verfolgungen von Gläubigen und Bischöfen der romtreuen Kirche. Zu den beiden gespaltenen katholischen Kirchen bekennen sich nur rund 12 bis 15 Millionen Gläubige.

China stellt für eine Verbesserung seines Verhältnisses zum Vatikan Vorbedingungen. Neben der verlangten Aufkündigung diplomatischer Beziehungen zu Taiwan fordert es vor allem, dass sich Rom nicht in die Belange der offiziellen katholischen Kirche einmischen soll. Dabei geht es vor allem um die Bischofernennungen, die unter Pekinger Kontrolle bleiben sollen. Chinas Behörden scheinen aber zu kleinen Konzessionen gegenüber der Untergrundkirche bereit zu sein. Vergangenen Sonntag starb der weltbekannte Untergrundbischof von Shanghai, Joseph Fan Zhongliang im Alter von 97 Jahren. Shanghaier Behörden erlaubten nur, ein nicht-kirchliches Begräbnis für den 20 Jahre unter Hausarrest stehenden Bischof abzuhalten. Sie tolerierten dann aber, dass die Gläubigen Totenmessen über zwei Tage für ihn zelebrierten, an denen Katholiken der offiziellen Kirche und der Untergrundkirche teilnahmen. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 20.3.2014)

  • Die römisch-katholische Kirche hat in China eine komplizierte Geschichte. Ein neuer Anlauf soll die Beziehungen verbessern.
    foto: reuters

    Die römisch-katholische Kirche hat in China eine komplizierte Geschichte. Ein neuer Anlauf soll die Beziehungen verbessern.

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